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Die Kultur der Griechen.
Die Griechen nehmen durch ihre Kultur unter allen Völkern dieerste Stelle ein: in den Wissenschaften sind sie die Lehrer der folgen-den Zeiten geworden, in der Kunst haben sie die höchsten Muster derSchönheit hervorgebracht. Auch ihr Gewerbfleiß war rege und ihrHandel weit ausgebreitet.
1. Früh entwickelte sich bei ihnen die Kunst. Sie wurde erzeugtdurch den angeborenen Schönheitssinn des Volkes und gefördert durchihre Beziehung auf den Götterdienst, ihre Aufnahme in die öffentliche Er-ziehung und ihre Verbindung mit dem Staatsleben.
Die Baukunst, deren älteste Denkmäler in das Heroenzeitalter hinauf-reichen (cyklopische Mauern, Schatzhaus und Löwenthor zuMycenä, s. Kunstdenkm. II, 1—3), entwickelte sich in der folgendenZeit vornehmlich im Dienste der Religion. Ihre wichtigste Aufgabe undAusbildung fand sie im Bau von Tempeln. Andere öffentlicheGebäude, Hallen, Theater rc., schloffen sich in kunstreicher Aufführungden Tempeln an, während die Wohnhäuser einfach blieben. Die Bauweisewar im wesentlichen Säulenbau und zwar teils dorischen, teilsionischen Stils; der korinthische Stil war nur eine reichere Aus-bildung des ionischen. Die dorische Säule kurz, stämmig, ohne Unter-lage (Basis), die ionische auf einer Basis schlanker sich erhebend, diekorinthische mit prachtvollem Kapitäl geschmückt (Kunstd. III, 1—4). Vorden Perserkriegen herrschte fast ausschließlich der dorische Stil (Kunstd.II, 5). Ihre höchste Blüte erreichte die Baukunst im perikleischenZeitalter, namentlich in den Prachtwerken auf der Akropolis zuAthen (Kunstd. II. 4), den Propyläen, dem Erechtheum (Kunstd.
II, 7), dem Parthenon (Kunstd. II, 9, vgl. Z 25), neben welchen noch derTempel des Zeus zu Olympia (Kunstd. II, 8), der Artemiszu Ephesus (eines der sieben Wunderwerke der alten Welt) und dasGrabmal des karischen Königs Mausslus zu Halikarnaß (Kunstd. II, 6)sich auszeichneten.
Die Bildnerei, als deren Altmeister Dädälus genannt wird, schufihre Werke zuerst aus Holz und Thon, dann aus Erz und Marmor undseit dm Zeiten der Perserkriege auch aus Gold und Elfenbein. Sie ge-langte zu höherer Entwickelung in der Kunstschule zu Äglna (Kunstd.
III, 5) und fand ihre Vollendung im Zeitalter des Perikles durch Phidias,der als das erhabenste Meisterwerk der Bildhauerkunst die (14 Mtr. hohe)