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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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2. Karl als Kaiser und Regent.

a. Durch solche Eroberungen hatte Karl seine Herrschaft ausgedehntim Süden bis zum Ebro und bis jenseit der Tiber, im Norden bis zurEider, im Osten bis zur Elbe und Theiß (siehe Karte VII). Er be-herrschte so das größte Reich in Europa und war Beschützer der Kircheund Freund des Papstes. Daher krönte ihn der Papst Leo IH. in Ronram Weihnachtsfeste 800 zum römischen Kaiser. Hierdurch trat derfränkische König an die Stelle der ehemaligen weströmischen Kaiser; seineHerrschaft erschien als die höchste weltliche Gewalt in der^gesamten katho-lischen Christenheit.

Von dieser Krönung suchten die folgenden Päpste das Recht herzuleiten,den jedesmaligen Kaiser in seiner Würde zu bestätigen.

d. An der Spitze des Reiches vereinigte der Kaiser (König) alleHerrschergewalt in seiner Person; die alte Herzogswürde wurde ab-geschafft. Den einzelnen Gauen, in welche das Reich geteilt war, standenvom König ernannte Grafen vor, denen das Gericht und der Heerbannuntergeordnet war. Eine erweiterte Macht besaßen in den Grenzlandenoder Marken die Markgrafen; in den Pfalzen (Hoflagern) ver-traten den König die Pfalzgrafen. Zur Beaufsichtigung der Grafenbediente sich Karl der Send grasen (je zwei, ein Geistlicher und einWeltlicher) in den Sprengeln. Wichtige Angelegenheiten wurden auf denReichstagen beraten, welche gewöhnlich mit den Maifeldernfrüher, bis Pippin, Märzfelder d. h. die Heermusterungen des Königsüber das zu einem Feldzuge aufgebotene Volk verbunden waren undaus Adeligen und Geistlichen bestanden, die der König berief.

3. Karls Sorge für die Bildung seines Volkes.

Karl förderte die Bildung und Gesittung seines Volkes durchallgemeine Einführung der christlichen Religion (Stiftung von Bistümern,Erbauung von Kirchen, Verbesserung des Gottesdienstes und des Kirchen-gesanges), durch Errichtung von Schulen, die er mit den Bischofssitzenund den Klöstern verband (Alkuins Musterschule zu Tours), durch Ver-einigung gelehrter Männer, wieAlkuin, Einhard, Paul Diacönus,an seinem Hofe (deutsche Grammatik, deutsche Monatsnamen, Sammlungdeutscher Heldenlieder). Die Baukunst begann sich in größeren Werkenzu entwickeln (der Dom zu Aachen, die Pfalzen zu Aachen, Jngelheimund Nymwegen); Ackerbau, Handel und Verkehr wurden gehoben (derRhein-Donaukanal, Rheinbrücke bei Mainz).