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Über Karls Persönlichkeit und Lebensweise berichtet seinBiograph Einhard:
„Er war von starkem Körperbau und hervorragender Größe, die jedoch dasrichtige Maß nicht überschritt — denn wie bekannt betrug seine Länge siebenseiner Füße —, seine Augen waren sehr groß und lebhaft, die Nase ging etwasüber das Mittelmaß. Er hatte schönes weißes Haar und ein freundlichesheiteres Gesicht. So bot seine Gestalt, mochte ersitzen oder stehen, eine höchstwürdige und stattliche Erscheinung .... Beständig übte er sich im Reiten undJagen. Sehr angenehm waren ihm die Dämpfe der heißen Quellen; er übteseinen Leib fleißig im Schwimmen, und keiner that's ihm darin zuvor. Darumerbaute er sich auch zu Aachen eine königliche Pfalz und wohnte dort in seinenletzten Lebensjahren ohne Unterbrechung bis zu seinem Tode ....
Er kleidete sich nach vaterländischer d. h. fränkischer Weise. Über demleinenen Hemd trug er ein Wams und Hosen; die Beine bedeckte er mit Binden,die Füße mit Schuhen; mit einem Pelze von Otter und Marder schützte er imWinter Schultern und Brust; endlich trug er einen blauen Mantel und stets dasSchwert an der Seite, dessen Griff und Gehenk von Gold oder Silber war.Bei besondern Festlichkeiten trug er ein reich mit Edelsteinen geschmücktesSchwert und schritt in golddurchwirktem Gewände, in mit Edelsteinen besetztenSchuhen und in einem Mantel einher, der durch eine goldene Spange zusammen-gehalten war, auf dein Haupte ein Diadem aus Gold und Edelstein. Anandern Tagen unterschied sich seine Kleidung wenig von der gewöhnlichenVolkstracht.
I» Speise und Trank war er mäßig, besonders im Trank. Seine gewöhn-liche Mahlzeit bestand nur aus vier Schüsseln, abgesehen von dem Braten, dendie Jäger am Bratspieß hereinbrachten, und der ihm lieber war als jede andereSpeise. Während der Tafel hörte er gerne Musik oder einen Vorleser, der ihmdie Geschichten und Thaten der Alten vorlas. Im Sommer aß er nach demMittagsmahl etwas Obst, dann pflegte er zwei bis drei Stunden zu ruhen.Nachts unterbrach er den Schlaf vier- oder fünfmal, indem er nicht bloß auf-wachte, sondern auch aufstand. Während des Ankleidens ließ er nicht alleinseine Freunde vor, sondern entschied auch Nechtshändel und erledigte, was esan diesem Tage von Geschäften zu thun gab ... Reich und sicher floß ihm dieRede vom Munde: was er wollte, vermochte er leicht und klar auszudrücken.Neben der Muttersprache lernte er mit Fleiß auch fremde Sprachen. Lateinsprach er wie Deutsch; das Griechische aber konnte er besser verstehen als selbersprechen. Die Wissenschaften pflegte er mit warmem Eifer. Auch zu schreibenversuchte er und pflegte deshalb selbst im Bett Schreibtafel und Papier unterdem Kopfkissen bei sich zu haben, um in müßigen Stunden seine Hand an dieGestaltung der Buchstaben zu gewöhnen; indes brachte er es hierin nicht weit,da er es zu spät angefangen hatte." ....
Bis in sein HöheresAlter war Karl von guter Gesundheit; in seinenletzten vier Jahren litt er häufig an Fieberkrankheiten. Auch wurden ihmseine beiden älteren Söhne, Karl und Pippin, durch den Tod ent-rissen. Und so folgte ihm, als er, 72 Jahre alt, 814 (28. Januar)