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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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4. Ludwig das Kind 899911 stand unter der Vormundschaft desErzbischoss Hatto von Mainz. Neue Feinde, dieUngarn (Magyare n),machten von der Theiß her wiederholt Raubzüge in das Reich, das unterbeständigen Fehden in tiefste Unordnung und Schwäche versank. MitLudwig starben die Karolinger in Deutschland aus.

In Frankreich regierten die Karolinger bis 987 (s. 8 81).

Ungeachtet der fortwährenden zerrüttenden Kämpfe dauerten doch in denKlöstern die von Karl dem Großen geförderten wissenschaftlichen Studien(Z 75, 3) unter seinen Nachfolgern noch eine Zeit lang fort. Wichtig als deutscheSprachdenkmäler sind: der Heliand (um 830 von unbekanntem Verfasser) undOtfrieds (eines Mönchs zu Weißenburg im Elsaß) Krist (um 870). Beide erzählendas Leben Jesu nach den Evangelien. Otfried hat bei seinen Versen zuerst denReim angewandt. Bald jedoch wurden die Verheerungen des Landes durchNormannen, Slaven und Magyaren der jungen Kultur verderblich und zerstörtensie an manchen Orten völlig. Für dieAusbreitung des Christentumswirkte in der Karolingerzeit vor allen der Mönch Ansgar aus Corvey, welcherder Apostel des Nordens wurde. Er ging 827. als Heidenbekehrer nachJütland, begründete als Erzbischof von Hamburg-Bremen die Kirche in Schleswigund verkündete auf zwei Missionsreisen den Schweden das Evangelium.

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Deutschland unter Kourad I. von Franken 011918.

Unter den letzten Karolingern war, mit der Abnahme des königlichenAnsehens, die herzogliche Macht wieder aufgekommen und gewachsen: beimErlöschen dieses Hauses umfaßte das ostfränkische Reich die fünf Herzog-tümer Franken, Sachsen, Schwaben (oder Alemannien), Bayernund Lothringen. Der alte Herzog Otto der Erlauchte von Sachsenlehnte die Krone ab; auf seinen Rat wurde der (von mütterlicher Seitemit den Karolingern verwandte) Frankenherzog K o n r a d zum Könige ge-wählt; seitdem blieb Deutschland ein Wahlreich. Konrad I. suchtevergebens die Herzöge zur Anerkennung seiner königlichen Herrschaft zubringen: Lothringen trat zu Frankreich über; Ottos Sohn und Nach-folger, der Herzog Heinrich von Sachsen, leistete erfolgreichen Wider-stand, als der König seine Macht zu beschränken suchte. Von außenmachten die Ungarn fast alle Jahre räuberische Züge nach Deutschland.Zur Herstellung der Ordnung und Einheit des Reiches empfahl daherKonrad vor seinem Tode (mit Übergehung seines Bruders Eberhard) seinenkräftigen Gegner, den Sachsenherzog Heinrich, zum Nachfolger.