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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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3. Albrecht I. von Österreich 12981308, eifrig auf Vergrößerungseiner Hausmacht bedacht, konnte weder Thüringen gewinnen, noch Böhmendauernd an sein Haus bringen. Unter seine Regierung verlegt die Über-lieferung die Gründung der schweizerischen Eidgenossenschaft(der Rütlibund, die Sage von Geßler und Tell). Indes fällt deren Ur-sprung früher. Bereits 1291, gleich nach Kaiser Rudolfs Tode, hattendie Waldstätten Schwyz, Uri und Unterwalden, die zur Zeit Rudolfs unterdie Erbvogtei der Habsburger sich beugen mußten, einen ewigen Bundzur Erhaltung ihrer alten Reichsunmittelbarkeit geschlossen, die ihnen auchvon Adolf von Nassau bestätigt wurde. Albrecht wurde von seinem NeffenJohann (Parricrda) von Schwaben, dem er sein Erbe vorenthielt, an derReuß bei Windisch (unweit der Habsburg) ermordet.

4. Heinrich VII. von Luxemburg 13081313 (ein ritterlicher Grafvon geringer Hausmacht) brachte Böhmen an sein Haus, indem er seinenSohn Johann mit einer böhmischen Prinzessin (Ottokars Enkelin) ver-mählte. Dann unternahm er einen Römerzug, erhielt die Kaiserkroneund stellte die deutsche Herrschaft über Italien her, starb aber plötzlich(an Gift?), während er einen Zug gegen Neapel vorbereitete.

5. Ludwig der Bayer 13141347 und Friedrich der Schöne vonÖsterreich (Albrechts I. Sohn) 13141330, jeder von einem Teile derFürsten gewählt, bekämpften einander, sodaß

a. ein Bürgerkrieg das Reich spaltete. In der Schlacht beiMühldorf und Ampfing 1322 wurde Friedrich besiegt und ge-fangen genommen (die Sage von demfrommen Schw ep p erm an n").Da jedoch die österreichische Partei den Krieg mit Glück fortsetzte,entließ Ludwig, um den Frieden wieder herzustellen, Friedrich seinesGefängnisses aus der Feste Trausnitz und nahm ihn, seine Treueehrend, zum (einflußlosen) Mitkaiser an.

b. Der Kaiser und der Papst. Ludwigs Hauptgegner war dervon Frankreich abhängige Papst Johann XXII. (seit 1309 resi-dierten die Päpste zu Avignon, 8 92,1,2), der ihn mit dem Banneund das Reich mit dem Interdikt belegte. Ludwig aber zog nachItalien und erhielt in Rom die Kaiserkrönung ohne den Papst.Als auch bei Johanns XXII. Nachfolger eine Aussöhnung mit demKaiser nicht zu erreichen war, erklärten die deutschen Kurfürsten aufdem Kurvcrein in Reuse 1338, daß der durch die Mehrzahl derKurfürsten gewählte König (Kaiser) der Bestätigung des Papstesnicht bedürfe.