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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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Nürnberg, Braunschweig und Lübeck) gestaltete das Kriegswesen umund veranlaßte das Sinken des Rittertums.

2. Die Buchdruckerkunst, von dem Mainzer Johann Gutenberg um1440 erfunden, bewirkte eine raschere und allgemeinere Verbreitung dergeistigen Bildung unter den Völkern.

Das erste gedruckte Werk: die (lateinische) Bibel 1455 dann der lateinischePsalter 1457 (noch heute ein typographisches Kleinod).

3. Die Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 machtedem durch Verderbtheit des Hofes und des Volkes und durch zahlreicheinnere Streitigkeiten längst zerrütteten griechischen (oströmischen) Kaiser-reiche, nachdem es fast um ein Jahrtausend das weströmische überdauerthatte, ein Ende.

Die Türken und die Mongolen. Nach der Zerstörung des Seldschucken-reiches (Z 74, 2, Anm.) durch die (seit der Erhebung des Dschingis-ChansTemudschin, 8 83, 5) erobernd auftretenden Mongolen hatten um 1300 dieosmanischen Türken (unter Osman) ein Reich in Kleinasien gegründet, seitder Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa Fuß gefaßt (das Fußvolk derJanitscharen) und unter Baj az ed I. die Länder an der unteren Donau unter-worfen. Bajazed unterlag zwar (in der Schlacht bei Angora 1402) der Machteines neuen mongolischen Eroberers, des Timnr Lcnk (TaMerlan), derseine Herrschaft von der chinesischen Mauer und dem Ganges bis zum Mittel-meere ausbreitete; allein da das Mongolenreich schon nach Timurs Tode (1405)sich auflöste, so wurden die Osmanen wieder unabhängig und mächtig. IhrSultan Mohammed II. eroberte 1453 Konstantinopel, bei dessen Verteidigungder letzte griechische Kaiser Konstantinus Paläolögus fiel.

Die Schätze der alten griechischen Bildung, welche in dem Reiche be-wahrt geblieben, wurden nun durch griechische Gelehrte, welche nachItalien auswanderten, auch im Abendlande bekannt und verbreitet, unddurch die Wiederherstellung der Wissenschaften ein gewaltiger Umschwungim geistigen Leben der meisten europäischen Völker erzeugt (Z 91 und8 103).

Die Wissenschaften waren im Mittelalter vorzugsweise Eigentum der Geist-lichen, die Kenntnis des Altertums, namentlich der griechischen Bildung, einemangelhafte. Durch die in Italien, besonders am Hofe der Mediceer zuFlorenz (ß 92, I. 2), freundlich aufgenommenen griechischen Gelehrten wurdejetzt der Sinn für die Wissenschaften neu angeregt, die alten Schriftsteller(griechischen und römischen Klassiker) wurden mit Begeisterung gelesen, ihreWerke verbreitet, erklärt, nachgeahmt, und durch den Geist des Altertums eineneue Bildungsperiode angebahnt. Unter den Männern, welche in Deutschlanddie Wissenschaften förderten, zeichneten sich aus: Ncuchlin (von Pforzheim),welcher zuerst die hebräische Sprache lehrte, und EraSmns (von Rotterdam),der zuerst das Neue Testament im griechischen Urtexte herausgab (beide um1500).