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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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4. Dritter (Orleansscher) Krieg (16881697) gegen den Kaiser,Spanien, Holland und England (Wilhelm III. von Oranien), die dasAugsburger Bündnis (1686) geschlossen hatten, um Ludwig entgegenzu-treten, als dieser nach dem Aussterben des Hauses Pfalz-Simmernfür die an seinen Bruder, den Herzog von Orleans, vermählte PrinzessinElisabeth Charlotte, des verstorbenen Pfalzgrafen Schwester, Ansprücheauf die Pfalz erhob. Die Franzosen (namentlich unter Mölac) ver-heerten furchtbar die Pfalz (Heidelberg, Worms, Speyer mit seinen Kaiser-gräbern); der Marschall Luxemburg errang Siege in den Niederlanden,Catinat in Italien; zur See dagegen behaupteten die Engländer die Ober-hand. Im Frieden zu Ryswyk (bei dem Mag) 1697 behielt Ludwigdas Elsaß mit Straßburg, gab jedoch die übrigen während des Kriegesgemachten Eroberungen zurück.

5. Wie Ludwig durch diese Kriege Frankreich nach außen vergrößerte,so schwächte er es im Innern besonders durch die Aufhebung des Ediktsvon Nantes 1685, welche eine halbe Million gewerbfleißiger Protestantenzur Auswanderung (nach England, Holland und Brandenburg) veranlaßte.Gewaltsame Bekehrungen (Dragonaden); der Religionskrieg (der Cami-sarden) in den Cevennen.

6. Die Fülle seiner Königsmacht zeigte Ludwig in der Staatsver-waltung und in der glänzenden Hofhaltung, die er gründete. Hof-leben, Etikette, Feste und Bauten in Versailles rc. rc. Goldene Zeitder französischen Litteratur: dieTragödiendichter Corneille undRacine, der Komödiendichter Moliere, der Fabeldichter Lafontaine,der fromme Bischof Fönölon (der Verfasser des Tölömaque) u. a. Inden Künsten ragten hervor: der Landschaftsmaler Claude Lorrain (derLothringer Claude Gelöe), der Gartenkünstler Le Nötre. Der schim-mernde (doch innerlich verderbte) französische Hof galt andern Fürsten alsMuster, das sie nachahmten.

8 105.

England. "

K

1. Die beiden ersten Stuarts 160 '^649.

Das Haus Stuart, welches nach Elisabeths Tod 1603 (§99,5)den englischen Thron bestieg, regierte unglücklich, da sein Streben nachunumschränkter Königsmacht und später seine Hinneigung zur katholischenKirche es in Widerspruch mit dem englischen Volke brachte. England sank