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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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1,. Die übrigen Künste und Wissenschaften in Deutschland.

Ungefähr gleichzeitig mit der Poesie, ihr teilweise vorauseilend, erhieltdied rutscheMusik durch eine Reihe trefflicher Meister, namentlich durch Sebastian Bach (s 1750; dieMatthäus-Passion), Händel (st 1759;Der Messias') und Mozart (tz 1791; die OpernDon Juan',Zauberflöte rc.", das Requiem), denen sich Gluck (Jphigenie in Aulis undin Tauris rc.) und Haydn (Die Schöpfung",Die Jahreszeiten) beigesellten, ihre voll-kommenste Ausbildung. Auch die Malerei sing an, sich zu erheben. Die Bildnereiund die Baukunst hatten einen tüchtigen Meister in Schlüter sum 1700), der Berlinmit Denkmälern zu schmücken begann (das Zeughaus, das Reiterstandbild des großenKurfürsten). In den Wissenschaften leuchtete am Ende des 17. Jahrhunderts dervielseitig gelehrte Leibniz hervor, in der zweiten Hälfte des 18. der große KönigsbergerDenker Kant, der Vater der neueren Philosophie, ferner Winckelmann, der durch seineGeschichte der Kunst des Altertums' uns die Herrlichkeit der griechischen Kunstdenkmaleerschloß, u. a.

IV. Auch in mehreren andern europäischen Ländern fehlte es nicht an einzelnen vor-züglichen Meistern in Kunst und Wissenschaften. So hatte Spanien am Anfangedieses Zeitraums den großen Maler Mmillo, Italien am Ende desselben denberühmten Bildhauer Canova; Schweden war das Vaterland des trefflichenBotanikers Linnä (ß 1778).

8. Handel und Industrie. Erfindungen.

1. Der Welthandel, in dessen Besitz zu Anfang des 17. Jahrhunderts dieHolländer waren, ging seit der Navigationsakts (Z 105, 2) mehr und mehr zu denEngländern über, welche ihm namentlich durch die Erwerbung der ungeheuren Be-sitzungen in Ostindien eine gewaltige Ausdehnung gaben. Auch im Gewerbfleiße,der durch Anwendung großartiger Maschinen, vorzüglich der Dampfmaschine (s. 2) sehrgehoben wurde, erhielten sie das Übergewicht in Europa. Frankreichs Handel undGewerbsleiß hatte sich durch Colberts (Z 104, II, e) Bemühungen (Anlegung desSüdkanals von Languedoc, der Häfen von Dünkirchen und Brest, Stiftung von Kolo-nieen, Gobelins) aufgeschwungen; allein die Aufhebung des Edikts von Nantes (tz 104,5)und die Kriege mit England (Verlust der Nordamerikanischen Besitzungen) störten dieEntwickelung der Industrie und des Verkehrs.

Deutschlands Gewerbsleiß konnte sich nur allmählich aus seinemVerfalle durch den dreißigjährigen Krieg erheben; die bedeutendsten Fort-schritte machte derselbe in Sachsen (wo Bergbau, Leinen- und Tuch-fabrikation blühten) und in Preußen durch die Aufnahme der ausge-wanderten Protestanten (§8 112, 2 u. 113, 2) und durch die Fürsorgeseiner Regenten, vorzüglich Friedrichs des Großen. Hauptplätze des Han-dels wurden Hamburg und Bremen durch ihren Seeverkehr, Leipzig,Frankfurt und Braunschweig durch ihre Messen.

2. Als wichtige Erfindungen sind hervorzuheben: die Er-findung des Brennglases (von Tschirnhausen in Sachsen 1687),des Porzellans (1702 von Böttcher in Meißen), des Fortepianos