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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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II. Die neueste Zeit 18151891.Verfassungs-, Freihetts- und Einigungskämpfe.

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Innere Kämpfe in Spanien, Portugal und Italien.

Die nach dem Sturze der napoleonischen Herrschaft an die Spitze dereuropäischen Angelegenheiten tretenden fünf Großmächte: England, Frank-reich, Österreich, Preußen und Rußland wußten längere Zeit den Friedenzwischen den einzelnen Staaten aufrecht zu erhalten; doch wurde in meh-reren derselben die innere Ruhe durch Aufstände und heftige Parteikämpfegestört. Zunächst wurden die Staaten im südlichen Europa derSchauplatz von Thron- und Verfassungsstreitigkeiten, die bis zum Bürger-kriege führten.

1. Spanien geriet unter Ferdinand VII. (Z 130), der die von den Kortes1812 dem Lande gegebene Verfassung aufhob und die Inquisition und die Torturwieder einführte, in innere Wirren. Durch einen Aufstand ini Heere wurde der Königzwar gezwungen, die Kortesverfaffung anzunehmen (1820); allein eine auf Beschlußdes Kongresses zu Verona (1822) in Spanien einrückende französische Armee be-wirkte die Wiederherstellung der unumschränkten Königsgewalt. Nach FerdinandsTode (1833) brach ein Bürgerkrieg über das Land herein. Der König hatte näm-lich (unter dem Einfluß seiner vierten Gemahlin Christine von Neapel) das salischeGesetz, welches das weibliche Geschlecht von der Thronfolge ausschließt, aufgehobenund seine Tochter Jsabella zu seiner Nachfolgerin bestimmt. So wurde, als Ferdinandstarb, mit Umgehung seines Bruders Don Carlos, die dreijährige Jsabella II.unter der Regentschaft ihrer Mutter Christine Königin von Spanien. Allein DonCarlos nahm den Königstitel als Karl V. an, einige Provinzen erklärten sich für ihn,und zwischen den Karlisten und den Anhängern der Königin (Christines) entstand einKrieg, der sieben Jahre lang das Land zerrüttete. Erst 1840 endete der Kampf mitdem durch den General Espartero herbeigeführten Siege der Königin. 1844 wurdedie junge Jsabella für volljährig erklärt. Wenn auch unfähig, einen dauernden Zu-stand der Ruhe und Ordnung zu schaffen, behauptete sie doch den Thron bis 1868.Da wurde sie durch einen von den Generalen Serrano und Prim geleiteten Auf-stand aus dem Lande vertrieben. Nachdem dann Serrano unter dem Titel eines.Regenten" eine Zeit lang die Verwaltung geführt, nahm der Sohn des Königs ViktorEmanuel von Italien, Prinz Amadeus von Savoyen, die von mehreren andernFürsten abgelehnte spanische Königskrone an, 1871, entsagte jedoch derselben schon nachzwei Jahren wieder, da er sich außerstande fühlte, in dem zerrütteten Lande eine festeOrdnung aufzurichten. An die Stelle der Monarchie trat die Republik, die abernur desto heftigere Parteikämpfe herbeiführte, bis im Dezember 1874 Jsabellas II.jugendlicher Sohn als König Alfons XII. den Thron bestieg. Er beendete den Kar-listenkrieg, der wieder vier Jahre lang das Land verheert hatte, und regierte einsichts-

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