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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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setzend, hielt er, da alles Volk ihm zufiel, schon nach einigen Wochenseinen Einzug in die Hauptstadt Neapel, während der junge KönigFranz H. sich mit dem Reste seiner Truppen nach der Festung Gaeta zu-rückzog. Darauf brach ein piemontesisches Heer unter General Eialdiniin den Kirchenstaat ein, überwältigte die päpstlichen Truppen und nahmden Kirchenstaat in Besitz bis auf die Stadt Rom und das sogenanntePatrimonium Petri (ein Gebiet von 214 Q.-M.), das dem Papsteblieb. Auch Gaeta mußte sich bald den Piemontesen ergeben, und dasKönigreich Neapel wurde nun mit den übrigen Staaten unter KönigViktor Emanuel II. vereinigt zum Königreich Italien (17. März 1861).Bald darauf starb Graf Cavour. 1865 wurde die Residenz des Königsvon Turin nach Florenz verlegt.

4. Venedigs Erwerbung. Noch war indes Italiens Einigungnicht vollendet. Um auch Venedig zu gewinnen, schloß bei dem 1866zwischen Preußen und Österreich ausbrechenden Kriege (Z 147) ViktorEmanuel ein Bündnis mit Preußen, erklärte an Österreich den Krieg undrückte, während die Preußen in Böhmen eindrangen, mit einem Heere insvenetianische Gebiet. Doch wurde er in der Schlacht bei Custozza(24. Juni) von den Österreichern unter Erzherzog Albrecht besiegt;auch die italienische Flotte wurde im Seegefecht bei Lissa (21. Juli)geschlagen, und der Angriff der Freikorps unter Garibaldi auf Tirolhatte keinen Erfolg. Da gab der großeSieg der Preußen bei König-grätz (§ 147, 6) dem Kriege eine entscheidende Wendung. Österreich,hierdurch aufs äußerste bedroht, trat sofort Venedig an den Kaiser derFranzosen ab, um durch dessen Vermittelung den Frieden mit Italien zuerlangen. Dieser kam, da auch Preußen auf Friedensverhandlungen ein-ging, bald zustande (Vertrag zu Wien 3. Oktober 1866) und hattedie Übergabe Venedigs an den König von Italien zur Folge.

5. Die Hauptstadt Rom. Schon Cavour hatte erklärt, Rommüsse die Hauptstadt des Königreichs Italien werden. Um dieses Zielzu erreichen, hatte G arib a ld i bereits 1862 von Sizilien aus unter demRufRom oder Tod" einen Zug gegen die ewige Stadt begonnen, waraber von den Truppen Viktor Emanuels, der sich Napoleons III. Gebotfügen mußte, bei Aspromonte verwundet und gefangen worden. Einfranzösisches Heer hielt Rom bis Ende 1866 besetzt; im Herbste des fol-genden Jahres machte Garibaldi einen neuen Angriff, wurde aber, da diepäpstlichen Truppen Zuzug von Franzosen erhielten, bei Mentana3. Nov. 1867 zurückgeschlagen, und Rom erhielt von neuem französischeBesatzung. Am 8. Dezember 1869 konnte dann der Papst das 20. all-