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gelöst erklärt, Österreich schied aus Deutschland aus und trat seineRechte auf Schleswig-Holstein an Preußen ab. — Eine weitere Folgedes Krieges war die Einverleibung von Hannover, Kurhessen,Nassau, Frankfurt und Schleswig-Holstein (1325 Q.-M.mit 4300000 Einw.) in den preußischen Staat, der dadurch abgerundetund auf 6393 Q.-M. mit 23Vs (jetzt fast 30 Mill.) Einwohnern ver-größert wurde.
9. Der Norddeutsche Bund. Die sämtlichen Staaten Nord-deutschlands (22 an der Zahl), außer Luxemburg, das (Londoner Konferenz,Mai 1867) als neutrales Gebiet erklärt wurde, vereinigte darauf Preußenunter seiner Leitung zu dem Norddeutschen Bunde (7540 Q.-M.), dessenVerfassung, von einem in Berlin tagenden Reichstage beraten, am1. Juli 1867 in Kraft trat. Zum Bundeskanzler wurde GrafBismarck ernannt.
Die Bundesverfassung enthielt u. a. folgende Bestimmungen: DieBundesgesetzgebung wird ausgeübt durch den Bundesrat und den Reichstag.Der Bundesrat besteht aus den Vertretern der 22 Einzelregisrungen, die imganzen 43 (Preußen 17, Sachsen 4, Mecklenburg-Schwerin und Braunschweigje 2, die übrigen je 1) Stimmen führen. Das Präsidium des Bundes stehtder Krone Preußen zu. Der Reichstag geht aus allgemeinen und direktenWahlen hervor. Das Bundesheer steht unter dem Befehle des Königs vonPreußen als Bundesfeldhsrrn.
10. Das Zollparlament. Mit den süddeutschen Staaten(2091 Q.-M.) hatte Preußen bereits bei Gelegenheit der FriedensschlüsseBündnisverträge abgeschlossen, welche die Wehrkraft derselbenimKriegs-
^ fall unter den Oberbefehl des Königs von Preußen stellten. Durch weitereVereinbarungen mit diesen Staaten wurde ein deutsches Zollparlameutgeschaffen, das in Berlin 1868 zum erstenmal tagte. — Die volle bundes-staatliche Vereinigung Süd- und Norddeutschlands wurde dann erreichtinfolge des Krieges mit Frankreich 1870—1871 (s. HZ 149 und 150).
8 148.
Der Kaiser Napoleon III.
1. Das zweite Kaiserreich (1852—1870). Als der Prinz-Präsident Lud-wig Napoleon <Z 141, 1 e.) auf einer Rundreise durch die Provinzen Frankreichsim Herbst 1852 seine Erwählung zum Kaiser der Franzosen betrieb, that er in Bor-deaux den Ausspruch: »Das Kaisertum ist der Frieds (1'smxirs o'est la paix)".Ein »Retter der Gesellschaft" wollte der „Emporkömmling", wie er sich nannte, »dieÄra der Revolutionen schließen und die Zukunft sicher stellen", nach dem gefallenen„Cäsar" Napoleon I. eine dauernde Kaiserherrschaft gleich Augustus begründen.Diese Verheißungen sollten sich indes nicht erfüllen. Die „napoleonische Idee", durchDemütigung der übrigen europäischen Großmächte „Rache für Waterloo" zu nehmenund dem kaiserlichen Frankreich (mit der Führerschaft der romanischen Völker) das