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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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Da verkündeten, während König Wilhelm unter dem Jubel seines Volkesnach Berlin zurückkehrte, Napoleons Ministerleichten Herzens" den längstgeplanten Krieg gegen Preußen 15. Juli 1870, und einige Tage später,19. Juli, wurde in Berlin die schriftliche Kriegserklärung überreicht.

3. Die Streitkräfte. Der ruchlose Friedensbruch erfüllte ganzDeutschland mit Entrüstung, weckte aber zugleich das lebendigste Vater-landsgefühl. Der Geist von 1313 lebte wieder auf, und allgemeiner nochals damals:vom Fels zum Meer", von den Gestaden des deutschen unddes baltischen Meeres bis zu den Alpen flammte die Begeisterung emporfür den heiligen Nationalkrieg: Deutschland der Norden undder Süden, auf dessen Uneinigkeit Napoleon gerechnet, war einig ge-worden zurWacht am Rhein" gegen den Raubangriff desErbfeindes".Am 19. Juli, dem Tage der Kriegserklärung, dem Sterbetage der unver-geßlichen Königin Luise (K 128, 3), seiner Mutter, erneuerte der Königvon Preußen, Oberbefehlshaber der gesamten deutschenKriegsmacht, den Orden des eisernen Kreuzes, den sein Vater 1813(am Geburtstage Luisens, 10. März) gestiftet hatte. Und rasch sammeltensich auf seinen Ruf zahlreiche, kampffreudige Heeresmaffen. Zwar hattendie Franzosen alle ihre verfügbaren Streitkräfte, 336000 Mann, in Hastan die deutsche Grenze zu werfen gesucht, um den Rhein bei Karlsruheüberraschend zu überschreiten und dadurch Süd- und Norddeutschland voneinander zu trennen. Allein ihre Ausrüstung war noch unfertig, fodaßder anfänglich gewonnene Vorsprung wirkungslos blieb. Bald tratenihnen, trefflich gerüstet,--d r e i deutsche Heere, 384000 Mann, entgegen:die erste Armee (60000 Mann) unter Steinmetz als rechter Flügel,von Trier und der Nahe her gegen Saarbrücken vorgehend; die zweiteArmee (194000 Mann) unter dem Prinzen Friedrich Karl, als Cen-trum von Mainz her durch die bayerische Pfalz anrückend, und diedritte Armee, bei der sich sämtliche süddeutsche Truppen befanden, derlinke Flügel (130000 Mann), unter dem Kronprinzen von Preußenaus Baden und der südlichen Rheinpfalz im Anmarsch gegen die Nord-grenze des Elsaß.

Das französische Heer bestand aus den Garden unter General Bourbakibei Nancy und 7 Armeecorps: das erste unter Marschall MacMahon beiStraßburg, das zweite unter General Frossard bei St. Avold, das dritteunter Marschall Bazaine bei Metz, das vierte unter General l'Adiniraultbei Diedenhofen, das fünfte unter General Failly bei Bitsch, das sechste unterMarschall Canrobert bei Chalons, das siebente unter General Felix Douaybei Belfort. Den Oberbefehl über das Gesamtheer dieRheinarmee",die niemals den Rhein erreichen sollte führte der Kaiser selbst. Die Zahlder französischen Truppen betrug gegen Mitte Juli 567000 Mann, wovon je-