werdenden Reiche den inneren Halt. Durch eine weise Gesetzgebung verlieher dem neuen Staatswesen feste Grundlagen. Nicht eine beschwerliche Fessel,sondern die zuverlässige Bürgschaft der eigenen Rechte, der starke Hort ihrerSicherheit wurde die Neichsverfassung den verbündeten deutschen Fürsten.Denn Kaiser Wilhelm erfüllte die von ihm bei der Übernahme der Kaiser-würde ausgesprochene Verheißung, „in deutscher Treue die Rechte des Reichesund seiner Glieder zu schützen", allseitig und herrlich. „Jedem das Seine",Deutschlands Größe und Wohlfahrt über alles! — das war der Gedanke, derihn leitete, den er, unterstützt von dem Rate und der Thatkraft seines großenKanzlers, in seinem gesamten Herrscherwalten ebenso ausdauernd alserfolgreich bethätigte.
2. Fricdenspflege und Heeresmacht. DiesesegensvolleHerrscherthätig-keit konnte stch nur entfalten auf der Grundlage eines ungestörten Friedens.Dies unschätzbare Gut seinen: Volke zu erhalten und zu sichern, galt demruhmgekrönten Kriegshelden als heiligste Herrscherpflicht. Während dersieben-zehn Jahre seiner kaiserlichen Regierung hat kein Kriegssturm mehr das Reicherschüttert, so unablässig das besiegte Frankreich seinem gehaßten Überwindermit einem furchtbaren Vergeltungskampfe zu drohen wagte. Zu thatsäch-lichem Angriff freilich fehlte dem rachebegehrlichen Feinde bei allem Kriegs-eifer doch die siegverheißende überlegene Heereskraft gegenüber Deutschlandswohlgerüsteter Streitmacht, die Kaiser Wilhelm in den Friedensjahren so ge-waltig zu steigern wußte, daß des Herrschers vertrautester Rat, der Reichs-kanzler Bismarck, vor dem versammelten Reichstag das stolze Wort in dieWelt hinaus rufen konnte: „Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts inder Welt." Durch wiederholte Verstärkung des stehenden Heeres wie derLandwehr und des Landsturmes wurde die deutsche Wehrkraft für den Kriegs-fall auf eine Höhe von mehr als drei Millionen waffengeübter Mannschaftgebracht, eine Macht, wie sie, nach Feldmarschall Moltkes Ausspruch, „inStärke und einheitlicher Ausbildung noch keine Nation zu verwirklichen ver-mocht hat," — ein Heer, das, wenn es die Not gebieten sollte, gleichzeitiggegen zwei Großmächte an entgegengesetzten Grenzen das Vaterland zu vertei-digen stark genug wäre. Um aber vor einem solchen Kampfe das Reich nachMöglichkeit zu bewahren, hat der fürsorgende Herrscher nicht unterlassen,durch Bündnis- und Freundschastsverträge mit Österreich undItalien noch weitere Bürgschaft für die Sicherung des Weltfriedens zu ge-winnen. So wurde Deutschland durch Kaiser Wilhelm die waffengewaltigsteder europäischen Großmächte, die aber — das ist des Herrschers wie desVolkes einmütiger Wille — nicht auf Kampf und Gebietserweiterung aus-geht, sondern nur auf einen wohlbefestigten Frieden die gedeihliche