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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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machen; ihr Gartenbau und ihre sorgfältige Viehzucht wurde zum Muster für dieeinheimischen Bauern. (Holländische Musterwirtschaft der Kurfürstin in Oranien-burg.) Der Kurfürst selbst war ein großer Freund derObst-undWeinzucht. Er ordnetean, daß die Landstraßen mit Bäumen bepflanzt werden, daß jeder Bauer ein Gärtchenanlege, daß kein Landmann heiraten dürfe, bevor er nicht sechs Obstbäume gepfropft undsechs Eichen gepflanzt habe. Tüchtigen Fremdlingen und nach dem Kriege entlassenenSoldaten schenkte der Kurfürst wüste Bauernhöfe oder verfallene städtische Grundstücke.Eigenhändig pfropfte er Obstbäume, pflanzte er Blumenzwiebeln, half er Traubenschneiden, Gemüsebeete anlegen, Karpfenteiche besetzen.

Von den Städten verlangte er, daß die Straßen regelmäßig gereinigt, daß siegepflastert und abends beleuchtet, daß Brunnen angelegt würden. Strohdächerduldete er nicht mehr; auch sollten nur feuerfeste Schornsteine vorhanden sein.

Industrie. Die Wollmanufakturen aus älterer Zeit wurden vervoll-kommnet, die Tapetenfabrikation, die Glasfabrikation, die Tabak-bereitung eingeführt. (Tabakrauchen bei dem Landvolks noch nicht gebräuchlich.) Ammeisten aber hob sich die Industrie durch 20000 eingewanderte französische Pro-testanten, welche der Große Kurfürst durch das Potsdamer Edikt 1685 eingeladenhatte, in sein Land zu kommen. Die arbeitsamen und erfahrenen Mitglieder der fran-zösischen Kolonie in Berlin gründeten Seiden-, Hut-, Strumpf- und Samtmanufakturen,auch Seidenfabriken und Samtfärbereien. Sie und ihre Nachkommen sind den Hohen-zollern dankbare, treue Unterthanen geworden.

Handel. Zur Hebungdes Handels ließ Friedrich Wilhelm durch einen erfahrenenitalienischen Baumeister den Friedrich-Wilhelms-Kanal anlegen. 12 Jahre vorherhatte der Kurfürst die brandenburgische Fahrpost von Königsberg über Berlinund Eleve bis Holland errichtet. (Von Eleve bis Berlin 11 Tage und Nächte.)

11. AfrikanischeKolonie. Flotte. ZurHebung des über-seeischen Handels durch ein neues Absatzgebiet gründete der Große Kurfürstin Guinea eine Kolonie und ließ dort (1683) das Fort Großfriedrichs-burg erbauen. Negerhäuptlinge des Gebietes kamen nach Berlin und huldigtendem Kurfürsten. Brandenburgische Kaufleute von der afrikanischen Handelsgesell-schaft erhandeltm in der Kolonie Go ldstaub und Sklaven. (Damals wurdeder schändliche Sklavenhandel noch von allen seefahrenden Nationen betrieben.)Neun mächtige Kriegsschiffe von 2040 Kanonen schützten diebrandenburgischen Kauffahrer und sicherten die Kolonie. Zu-meist ankerten sie im Emdener Nordseehafen, den der Große Kurfürst zugleich mitder Stadt besetzt hatte, als die Bewohner des Landes ihn um Schutz gebeten hatten.

12. Schule und Kirche, Kunst und Wissenschaft.

Der Kurfürst wollte, daßdie Furcht Gottes schon in die Kinder gepflanzt werde".Er stiftete eine Universität für die westlichen Gebiete in Duisburg. Aus der von ihmbegründeten Kunstkammer ist das heutigeHohenzollern-Museum" entstanden; auch diejetzigeKönigliche Bibliothek" hat er begründet.

Erst gütlich, dann mit Strenge suchte er es im Interesse des Staates dahin zubringen, daß die lutherischen und reformierten Geistlichen sich nicht wechselseitig schmähten.

13. Ende des frommen deutschen Fürsten. Der Große Kurfürstist in seinem frommen Wandel dem Volke ein Vorbild gewesen. Seit derruhmreichen Schlacht von Warschau war sein Wahlspruch: Gott ist meine