331
Stärke. Die heilige Schrift trug er stets bei sich. Das Anerbieten der pol-nischen Königskrone lehnte er wiederholt ab, da er um einer Krone willen seineReligion nicht verlassen könne. Wiederholt trat er Österreich und Frankreich gegen-über als Schirmherr der Protestanten auf. Mit Luise Henriettelebte er in sehr glücklicher Ehe. In einer Zeit, in welcher französische Mode undfranzösische Laster, ja auch die französische Sprache an den deutschen Höfen undbei dem deutschen Adel überall sich verbreiteten, blieb Friedrich Wilhelm kern-deutsch. Das übliche Reisen der Jugend nach Paris suchte er nach Kräften zuhindern. Sein Haushalt war schlicht. — 1688 starb Kurfürst Friedrich Wilhelm,68 Jahre alt, nach 48jähriger Regierung mit den Worten: „Ich weiß, daß meinErlöser lebt."
14. Verdienste.
Daß Brandenburg, im 30jährigen Kriege verheert, im Innern unter der Adelsherr-schaft seufzend, im Osten von Polen, im Norden von Schweden bedrängt, nicht gleichandern Staatsgebieten zu Grunde ging, daß vielmehr hier „auf kargem Boden ein durchArbeitskraft, Rührigkeit, Waffenmacht bedeutsamer Staat erwuchs, das war das welt-geschichtliche Verdienst des Großen Kurfürsten" (Hausier). Er legte den Grund zu einerdeutsch-nationalen Staatsbildung, indem er die Fremden vom deutschen BodenDer Held von Fehrbellin ist zugleich der bedeutendste Staatsmann seinesJahrhunderts. Mit Recht heißt er „der Große".
8 113. ü. u. Ei. 8 51.
König Friedrich I. in Preußen (Türkenkriege).
1. Kurfürst Friedrich m. von Brandenburg, des Großen Kurfürsten Sohn, warkein kraftvoller Herrscher, aber einer der beliebtesten Fürsten, denn er war persön-lich milde, arbeitete vom frühen Morgen an pflichttreu für sein Volk, hielt sich von allen-Ausschweifungen fern und wahrte überall seine Würde.
Er stand treu zu Kaiser und Reich.
Wie sein Vater erschien er selber im Felde, als es im pfälzischen Erbfolgekriege galt,die ins Reich eingefallenen Franzosen zu bekämpfen. Er eroberte Bonn und befreite dasniederrheinische Gebiet vom Feinde. Die Soldaten rühmten seinen Todesmut.
Auch gegen den anderen Reichsfeind, die Türke», kämpften des Kurfürsten Krieger.
Nach der folgenreichen Schlacht von Z en ta (1697) umarmte Prinz Eugen den Führerder brandenburgischen Truppen, die'von den Türken wegen ihrer Tapferkeit „Feuer-männer" genannt wurden, und sprach: „Nächst Gott verdanke ich den Branden-burgern den glücklichen Erfolg."
2. Preußen ein Königreich (1701). — Kurfürst Friedrich III. verlieh dervon seinem ruhmreichen Vater begründeten Macht dadurch einen höheren Glanz,daß er ihr die königliche Würde erwarb (Staatsgebiet von 2000 Quadrat-meilen). DerPrinz von Oranien war 1688 König von England ge-worden. KurfürstAugustll. von Sachsen war 1697 zum Könige vonPolen erwählt worden (Übertritt zur katholischen Kirche; an Stelle Kur-sachsens als Vormacht der protestantischen Stände des Reichestritt Brandenburg). Kurfürst Friedrich III. wollte ihnen nicht nachstehen.So reifte die Absicht, für das Herzogtum Preußen, in welchem Friedrich