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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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souverän war, dieKönigswürde anzunehmen. Nach 7 Jahren erlangteer in günstiger Zeit die bisher versagte Beistimmung und Einwilligung des Kaisers(Krontraktat, 1700; bevorstehender spanischer Erbfolgekrieg). Auch Polenerhob keinen Widerspruch. Am 18. Januar 1701 setzte Kurfürst Friedrich HI.von Brandenburg sich und seiner Gemahlin zu Königsberg i. Pr. diepreußische Königskrone aufs Haupt. Fortan nannte er sich Friedrich I.,König in *) Preußen. Alle seine Unterthanen (auch die Brandenburger unddie in den rheinischen Landen) gewöhnten sich nach und nach daran, Preußen ge-nannt zu werden und unter der schwarz-weißen Fahne gemeinsam zu kämpfen.

Am 17. Januar stiftete er den Ritterorden des schwarzen Adlers mit demköniglichen Wahlspruche:Jedem das Seine" (8uum ouigus).

3. König Friedrich I. Im spanischen Erbfolgekriege stand ein anhal-tischer Fürst als General an der Spitze der preußischen Hilfstrupp en.Es war Leopold von Dessau (von seinen Soldatender alte Dessauer" genannt).Unter den Klängen desDessauer Marsches" führte er mit großem Feldherrn-geschick seine Truppen. Bei Höchstädt (1704) führte er den Sieg herbei. Erwar der erste auf den Mauern von Turin (1706). Im Frieden zu Utrecht(1713; nach des Königs Tode) erlangte Preußen das an der Maas gelegeneOb ergeldern.

DieKönigin Sophie Charlotte von Hannover (ff 1705) sammeltehervorragende Gelehrte und Künstler in dem ihr zu Ehren erbautenSchlosse Charlotten bürg um sich. Einen großen Garten und ein zuge-höriges Ackerfeld verteilte sie an Berliner Bürger zu Baustellen und Gär-ten (Sophienstadt). Seit Beginn der Regierung des kunstsinnigen Königs warin Berlin nach einem sorgsamen Plane eine Reihe neuer Straßen mit großen,wohlverteilten Plätzen angelegt worden (Friedrichstraße). Der König bauteunter anderem ein Zeughaus und eine steinerne Brücke über die Spree(die sogenanntelange Brücke"). Er ließ auf dieser Brücke das prächtigeReiterstandbild seines Vaters, des Große« Kurfürsten, aus Erz gegossen,errichten. Dies ist ein Meisterwerk des größten Bildhauers jener Zeit, AndreasSchlüters. Ebenso vortrefflich gelang es diesem Künstler, die einzelnen kur-fürstlichen Schloßgebäude, welche ohne Ordnung und Zusammenhang zu ver-schiedenen Zeiten gebaut waren, in ein prächtiges Königsschloß zu verwandeln.

In Sitte und Sprache gaben die Vornehmen in jener Zeit ein schlechtesBeispiel; überall herrschte in den höheren Kreisen französisches Wesen.Die 1700 gegründeteAkademie der Wissenschaften" soll schreibtder Königdafür sorgen, daß aus der deutschen Sprache kein ungereimterMischmasch entstehe. Er selbst werde darauf sehen, daß in den Schriften der Be-hörden fremde Worte vermieden werden." (Beirat des Philosophen Leibniz.)

Ein neuer Geist ging damals durch die protestantische Kirche (PropstPhilipp Jakob Spener in Berlin; Pietismus). Die schönste Blütedesselben brachte August Hermann Francke hervor, welcher in Halle volllebendigen Gottvertrauens ein Waisenhaus stiftete. Hunderte solcher Anstal-

*) Mit Rücksicht auf Polen, dem Westpreußen zugehörte, nannte er sich nichtKönigvon Preußen".