Buch 
Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
Entstehung
Seite
333
JPEG-Download
 

333

ten hilfreicher Christenliebe verdanken diesem Vorbilde ihr Entstehen. So stifteteder König 1701 Waisenhaus und Seminar zu Königsberg. In Halle hatte erals Kurfürst eine Universität gegründet. Professor Christian Thomasius hatteden Mut, s e i n e Muttersprache auf der deutschen Hochschule der lateinischenSprache gegenüber zu Ehren zu bringen. Er redete auf dem Kathederdeutsch und schrieb auch Bücher in deutscher Sprache.

Da der Hofstaat ungeheure Summen kostete, mußten immer neue Steuern auf-gelegt werden (Perückensteu er, Kopfsteuer). Dazu kam, daß der König (seit 1697) un-würdigen Günstlingen die Verwaltung anvertraut hatte, insbesondere dem GrafenKolk von Wartenberg, welcher sich mit Staatsgeldern bereicherte und in derVerwaltung der Staatsgelder Unordnung zuließ. Einige Jahre vor dem Tode warddem Königs durch den Kronprinzen offenbart, daß ihm die Not seiner Unterthanen (z. B.Pest in Ostpreußen) geflissentlich verborgen worden wäre, und daß große Summen unter-schlagen worden seien. Sofort entsetzte Friedrich den ungetreuen Minister und seineHelfershelfer. 1713 starb der König. Er wurde von seinen Unterthanen aufrichtig betrauert.

8 113. k. 8 53. 6. 8 54.

König Friedrich Wilhelm I. 17131740.

1. Treue Erziehung seines Volkes. Friedrichs I. Sohn, FriedrichWilhelmI., lebte wie ein schlichter Bürgersmann (Tabakskollegium). SeinHaushalt war wohlgeordnet und ein Muster der Sparsamkeit.Gegen Spieler und Verschwend er in seinem Volke war er ungnädig.Er selbst war von früh bis spät thätig. Wen er träge und nachlässig fand,dem gab er wohl eigenhändig seinen Zorn durch das spanische Rohr zu fühlen.Ein Freund deutschen Wesens, konnte er die französischen Modendurchaus nicht leiden. Vor ihm durfte keiner anders als in einfacher und saubererdeutscher Tracht erscheinen (einfacher blauer Tuchrock, lange Weste, knappeKniehosen, dreieckiger Hut, steifer Zopf). Der König zeichnete sich durch sittlichreinenLebenswandelvor vielen andern Fürsten seiner Zeit aus. Am Hofeund im Lande verlangte er Zucht und Sitte. Er hatte ein unerschütterlichesVertrauen zu Gott, hielt jeden Tag Hausandacht, ging mit den Seinenjeden Sonntag zurKirche und verlangte das auch von seinen Beamten undOffizieren. 200 Kirchen wurden durch ihn errichtet. In rechter Barmherzig-keit baute er in Berlin ein großes Krankenhaus (die Charite) und in Potsdamein Waisenhaus für (2500) Waisen der Soldaten.

2. Staatshaushalt. In die Verwaltung der Einnahmen undAusgaben des Staates brachte der König wieder musterhafte Ord-nung und rechte Einheit. Er setzte eine Oberbehörde für alle Rechnungs-sachen des Staates ein (sowohl für die Domänenerträge als für dieKriegs-gefälle"), das Generaldirektorinm, bestimmte in einer meisterhaften Instruktiongenau die Pflichten und leitete selbst die Arbeiten dieser Behörde. Mit pein-licher Sorgfalt beaufsichtigte er trotz Wind und Wetter die Beamten imLande, so daß diese sich an pflichttreue Arbeit und an militärische Ge-nauigkeit und Pünktlichkeit gewöhnten. (Wir bezahlen sie, daßsie arbeiten sollen.") Den Potsdamer Thorschreiber prügelte er eigenhändig zumBette heraus, als er sah, wie die Bauern vergeblich darauf warteten, abge-fertigt zu werden. In den königlichen Ämtern mußten die Rechnungsbücher und