2. Kirchenbau im heidnischen Lande.
Die ersten Glanbensbotcn kamen mit wenig zahlreicher Begleitungnach Deutschland. Sie vertrauten dem Beistände ihres Gottes undbebten auch vor dem Lose des Märtyrers nicht zurück. War es ihnengelungen, eine kleine Zahl des fremden, trotzigen Volkes zu gewinnen,dann bauten sie ein Kirchlcin an gut gelegener Stätte und sammeltenhier die kleine Schar ihrer Anhänger zum Gebete. Mehrte sich dieZahl der Gläubigen, dann holte man anS fernem Lande die Gebeineeines Heiligen, brachte sie im Triumphzugc in das Land und fing jetztan, über der neuen Ruhestätte des Schutzheiligen ein mächtiges Gottes-haus zu errichten. Unser Bild zeigt einen solchen Kirchenbau. Derbauknndige Klosterbruder erklärt seinem greisen Abte oder Bischöfeden Grundriß des bereits begonnenen Baues. Der Bruder Bildhauermeißelt das Bild des Schutzpatrons mit sicherer Hand in den Stein,der über dem Portale des Gotteshauses prangen soll. Reisige Franken,Mannen des Herzogs, der selbst dem neuen Glauben sich zugewandtund die Erlaubnis zum Bau deS Klosters und der Kirche gegebenhat, schützen die Bauleute, schützen auch den Laienbruder, der imDienste der Klostcrleute den Wald beseitigt und „gerodetes Land"schasst. Trotzig stehen abseits sächsische Bauern im leinenen Kittel,mit dem sächsischen Schwerte, der Sasse, am Gürtel, die Anhängerder alten Götter; der eine streckt drohend die Faust aus gegen dieBauleute. Ihr Trotz wird ihnen nicht helfen; die Zukunft gehört denFremdlingen. Die Knaben drängen sich heran an den Bildhauer; siewerden bald die Schule des Klosters besuchen; sind sie herangewachsen,so nehmen sie das Freigut ihrer trotzigen Vätcr als Lehen vom Klosterund wohnen sicher und glücklich unter dem Krummstabe.