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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
Entstehung
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5. Zur Zeit des Rokoko.

Die Zeit des Rokoko löste die der Renaissance ab, welche alsVorbilder die Werke des klassischen Altertums vor Augen gehabthatte. Der Ausdruck Rokoko wird abgeleitet von dem sranzösischcnWorte rooaills, das eine Grotte aus Muscheln, Steinen, Korallenbezeichnet. Der Bau- und Dekorationsstil des Rokoko entstand inder ersten Hälfte des 18 . Jahrhunderts in Frankreich und heißt auchder Stil Ludwigs XV. Die bekanntesten Baudenkmäler des Stilssind das Schloß in Versailles, Friedrichs des Großen PhilosophensitzSanssouci in Potsdam und der Zwinger in Dresden. Den Übergangvon der Renaissance zum Rokoko bildet der Barockstil, so genannt nachdem italienischen Worte lmroeco,schiefrund", womit man bald auchdas Seltsame, Wunderliche bezeichnete. Dem Rokoko folgte die Herr-schaft des Zopfes, welche an die Stelle der schwülstigen Üppigkeit dieSteifheit und Nüchternheit setzte.

Unser Bild zeigt den Übergang des Rokoko zum Zupf. Die imHintergründe vorüberziehenden Soldaten Friedrich Wilhelms I. vonPreußen tragen den Zopf, den der König für seine Krieger vor-geschrieben hatte. Die Unnatur der Zeit tritt in den beiden künstlichverschnittenen Taxusbüumcn zu Tage. Die Tracht der beim üppigenMahle versammelten Gesellschaft ist die Rokokotracht. Die Herrenhüllen das Haupt in wallende Perücken, die gewöhnlich gepudert sind;auch die oft fußhohe Frisur der Damen war gepudert. Aber dieZeit beginnt zu schwinden. Das von den Wirten begrüßte Paarzeigt eine einfachere Kleidung, besonders das schlichte Kleid der Frausteht im Gegensatz zu der aufgebauschten Tracht der sie empfangendenFreundin. Der die französische Üppigkeit nachahmendenDame" trittdie einfache deutscheFrau" gegenüber. Sie wird es vielleicht nocherleben, daß ihr Gatte den Zopf ablegt und sein eigenes Haar zurSchau trägt.