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Geographische Verbreitung der Tiere.
in Madagaskar und Indien erhalten; die noch in der späten Tertiärzeitin Europa heimischen Kamele, Giraffen und Flußpferde sind, gleichden noch während der Diluvialzeit bis ins mittlere Deutschland hineinverbreiteten großen Wildkatzen und den in der gleichen Zeit in ganzEuropa, Nordsibirien und Nordamerika heimischen Elefantenarten,teils ausgestorben, teils auf die südlichen Teile der Landmasse, Afrikaund Südasien, beschränkt. Die Gründe für das Aussterben so zahlreicherTierarten sind uns nicht bekannt, doch dürften sie zum Teil im Zu-sammenhang stehen mit einer Aenderung des Klimas, die sich allmäh-lich im Laufe der Tertiärzeit vollzog. Die Pflanzenreste aus den ältestenTertiärschichten Mitteleuropas zeigen tropischen, die des mittlerenTertiärs subtropischen Charakter; gegen Ende der Tertiärzeit herrschtein Europa ein Klima, wie heute in den Mittelmeerländern. Mit Be-ginn der Diluvialzeit breitete sich, infolge einer Temperaturveränderung,deren Ursache noch nicht mit Sicherheit erkannt ist, über Nordeuropabis ins mittlere Deutschland hinein, über Kanada und den nördlichenTeil der Vereinigten Staaten eine Eisdecke aus, während gleichzeitigvon den Alpen und den südeuropäischen Gebirgen her gewaltigeGletscher sich ausdehnten. Diese Veränderung der Lebensbedingungenveranlaßte viele Tiere, südwärts zu wandern, und Mitteleuropa warin jener Zeit von einer Tierwelt bewohnt, wie sie heute den Polar-ländern zukommt. Renntiere, Eisfüchse, Moschusoch'sen undSchneehühner fanden sich hier zu dieser Zeit neben den mit dickemPelz bedeckten Mammut- und Nashornarten. Eine Folge dieserVeränderung mag auch das Aussterben der oben erwähnten Huftierein Europa gewesen sein. Die letzten Löwen sind dagegen erst ingeschichtlicher Zeit in Südeuropa ausgerottet worden (vgl. § 15).
§ 314. Diese Aenderung des Klimas beeinflußte natürlich auchdie übrigen Tierklassen. Geologische Forschungen haben gezeigt, daßwährend dieser Eis- oder Gletscherzeit die Eisbedeckung nicht immergleich weit reichte; es wechselten kältere Perioden mit wärmeren,in denen das Eis zurückwich und auf dem eisfreien Boden Steppen-landschaften sich entwickelten. Hier fand sich nunmehr eine vorzugs-weise aus Huftieren und Nagetieren bestehende Steppenfauna ein,während die kälteliebenden Tiere sich teils nach den Polen, teils aufdie Hochgebirge zurückzogen. Hieraus erklärt es sich, daß mancheTiergruppen (Schneehasen, Schneehühner) den Hochgebirgen und derPolarzone gemein sind.
In die Tertiärzeit fällt ferner die Bildung derjenigen Gebirge,welche gegenwärtig als Hauptgrenzen für die Wanderung der Tierein Betracht kommen: der Alpen, des Himalaja und der Anden. Die