Band 
Dritter Kursus.
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Alte Geschichte.

13 Jahre lang hinauszuschieben. Endlich (473) drohte der Tribun Ge-Genucius nucius, alle seitherigen Konsuln wegen dieser Unterlassung zur Rechen-473. schaft zu ziehen, wurde aber in der Nacht vor der hierzu bestellten Volks-Publiliuz Versammlung ermordet. An seine Stelle trat (472) Publilius Bolero,472. der zwar das Ackcrgesetz zunächst ruhen ließ, dagegen um so thätiger war,

die plebejischen Magistrate selbständig zu machen. Nach längerem Wider-sprüche der Patrizier setzte er es durch, daß Tribunen und Aedilen fortanin den Tribuskomitien (oorultiu tributa) gewählt wurden und daß dieseKomitien ihre Berathungen über alleStaatsangelcgenheiten ausdehnen durften*.

So war denn der Staat in zwei einander gegenüberstehende Hälftenzersplittert, von welchen jede ihre besonderen Magistrate und Versammlungenhatte. Um so nöthiger wurden daher schriftliche Gesetze, damit das Rechtdem Wechsel persönlicher Ansichten entzogen sei und die Kluft zwischen denParteien nicht noch mehr wachse. Den Weg dazu bahnte der TribunTerentilius Terentilius Arsa, indem er (462) vorschlug, daß ein alle Römer ver-Ä» bindendes Landrecht abgefaßt werde. Die Patrizier leisteten den heftigsten4°2- Widerstand und suchten (457) das Volk durch andere Zugeständnisse — dieGestaltung von 10 Tribunen — zu beschwichtigen, aber die Plebejer griffenzu ihrem gewohnten Mittel, zur Verweigerung des Kriegsdienstes, undsetzten so ihre Forderung durch. Im Jahr 454 reisten zuerst drei Männernach Unteritalien und Griechenland, um die Gesetze Solon's und andererGriechen kennen zu lernen, und nach deren Rückkehr wurden im Jahr 451zehn Patrizier mit der höchsten Gewalt und der Ausarbeitung der GesetzeDecemvirat betraut. Die Decemvirn des ersten Jahres regierten zur Zufriedenheit und481 — 449. brachten 10 Gesetztafeln zu Stande, welche allgemein gebilligt wurden. Daszweite Decemvirat (450), in das man auch drei Plebejer gewählt hatte,fügte als Ergänzung noch zwei Tafeln hinzu, mißbrauchte aber seine Ge-walt, indem es eigenmächtig (ohne Neuwahl) für das folgende Jahr (449)im Amte blieb. Der ungerechte Richterspruch des Appius Klaudiusgegen die Virginia führte endlich den Sturz der Zehnmännerherrschaft herbei,worauf die Konsuln und Tribunen wieder in ihr Amt traten (449). —Die Gesetze der 12 Tafeln (loZos äuociooiw tabulurum) wurden die Grund-lage des gesammten römischen Staats- und Privatrechts und mußte vonder Jugend — während der Zeiten der Republik — auswendig gelerntwerden. Viel Neues mag sich in der Gesetzsammlung nicht befunden haben,doch faßte sie die bisherigen Gewohnheitsrechte zusammen und gab den Bür-gern Rechtssicherheit. Rechtsgleichheit war in dem Zwölftafelrecht nicht aus-gesprochen, vielmehr wurden' von demselben der Unterschied der Stände undmancher Vorzug der Patrizier geradezu anerkannt.

Wichtig in staatsbürgerlicher Beziehung war auch, daß die beiden Volks-freunde Valerius und Horatius, welche 448 das Konsulat bekleideten,Plebiscite, die Bestimmung durchsetzten, daß die Beschlüsse der oowitia, tributu, Ple-

i Von den Patriziern waren einige Geschlechter, wie die Valerier, Horatierund Fabier, auf die Seite des Volkes getreten und darum bei ihren Standes-genossen mißliebig geworden. Am verhängnißvollsten schlug solches sür die Fabier aus-Sie gründeten mit 306 Mitgliedern und 4000 Klienten eine Kolonie an derCremera (mündet unweit Rom in die Tiber), wurden aber in einem Kriege Rom'smit Veji ohne Unterstützung gelassen und bis auf einen einzigen Knaben, welcherdas berühmte Geschlecht fortsetzte, niedergehauen 477.