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Mittlere Geschichte.
§
59. Ausbreitung -er Deutschen und -es Christenthums in -enslavischen Ländern im 12. und 13. Jahrhundert.
Völkersturm der Mongolen. Schlacht bei Wahlstadt (Liegnitz) 1241. Umkehr derMongolen. Einwanderung deutscher Anbauer in Schlesien und Ungarn. DeutscheKolonisten nach den Ostseeländern bereits 1158. Bisthum Pxküll 1187. ErbauungRiga's und Stiftung der Schwertritter 1198. Verbreitung des Christenthums durchden heiligen Adalbert (P 997). Herbeirufung des deutschen Ritterordens (HermannBalk) durch Konrad von Masovien 1228. Erbauung von Städten. Ausnahme derSchwertritter unter die deutschen Ritter 1237. Gründung Königsberg's 1255.Fünfzigjähriger Kampf gegen die heidnischen Preußen 1230—1283. Sieg derRitter. Marienburg Residenz des Hochmeisters 1309. Preußen ein Herzogthurn 1525.
Zu Anfang des 13. Jahrhunderts wurde Europa von einem furcht-baren Feinde aus Osten heimgesucht. Dies waren die Mongolen, dievom Jahre 1206 an unter Dschingis-Khan Asien durchstürmt hattenund unter seinen Söhnen bis nach Mähren und Schlesien vordrangen.Liegnitz Auf der Ebene von Liegnitz, da wo nachmals das Kloster Wahlstadt1241. erbaut wurde, stellte sich ihnen Herzog Heinrich von Schlesien mit30,000 Deutschen gegenüber, verlor aber nach mannhafter Gegenwehr Siegund Leben (1241). Doch hatten auch die Mongolen solche Verluste erlit-ten, daß sie den weiteren Zug nach Westen aufgaben und über Ungarn nachAsien zurückkehrten. Für Schlesien und Ungarn hatte der Einfall derMongolen die Folge, daß in die verwüsteten und entvölkerten Gegendensehr viele deutsche Anbauer zogen; ja Niederschlesien wurde von jetzt anmehr ein deutsches, als slavisches Land. Auch noch andere Nachbarländerwurden um diese Zeit von den Deutschen besetzt, so dieKüstenländer derOstsee- Ostsee: Preußen, Livland, Esthland und Kurland. Schon zur Zeit Friedrichländer. Barbarossas, etwa um 1158, hatte der Gewerbfleiß deutsche Männer —Kaufleute aus Bremen — nach Livland geführt. Ihnen folgte der MönchMeinhard mit dem Kreuz und gründete an der Mündung der Düna dasBisthum Uxküll (1187). Der dritte Bischof von Livland, Albrecht vonApcldcrn, baute Riga ' (1198) und errichtete zur weiteren Eroberung desSchwert- Landes einen geistlichen Ritterorden: den der Schwertritter. Durch diesenOrden wurden Livland, Esthland und Kurland christlich und deutschen Ko-' lonisten unterthänig gemacht.
Auch in Preußen verbreitete das Schwert zugleich mit dem Christen-thum deutsche Obergewalt. Seit der heilige Adalbert, Bischof von Prag,in jenem Lande das Evangelium gepredigt und den Märtyrertod erlittenhatte (997), waren die heidnischen Bewohner wiederholt für ihren Glaubenund ihre Freiheit aufgestanden. Nun aber rief (1228) der Herzog Konradvon Masovien den deutschen Ritterorden in Palästina zu Hilfe, und derAnkunft der damalige Hochmeister Hermann von Salza sandte sofort unter Hermanndeutschen Balk 28 Ritter und 100 Knechte nach dem neuen, vielversprechenden^iter Wirkungskreise 1229. Der Orden fing sein Werk klüglich mit Anlegungvon festen Plätzen an, unter welchen Thorn' der erste war, und Kulm',Marienwerder', Elbing', Braunsberg' u. a. folgten. Selbst über> Riga, Hauptstadt von Livland, an der Mündung der Düna. — Thorn,Stadt in der Provinz Preußen, am rechten Ufer der Weichsel. — Kulm, Stadtrechts von der Weichsel, unterhalb Thorn. — Marienwerder, Stadt rechts vonder Weichsel, unterhalb Kulm. — Elbing, Stadt unweit der Einmündung derNogat in's frische Haff. — Braunsberg, Stadt an der Passarge, einem Küsten-sluß, der in das frische Haff mündet.