176
Neue Geschichte.
sich während Christian des II. Regierung befand. Dabei hatte er einedles Aussehen, einen freundlichen Blick und eine seltene Ueberredungsgabe.
Als Gustav während seiner Gefangenschaft erfuhr, daß Christian, an-statt sich mit Schweden zu vergleichen, von neuem ein Heer rüste, um dasFlucht. Land zu unterjochen, da entfloh er in Bauernkleidung und gelangte amzweiten Tage glücklich nach Flensburg Hier traf er deutsche Viehhändler,die ihn, ohne seine Abstammung zu ahnen, als Knecht mit nach Lübecknahmen. Der dortige Rath, welcher nach der Unterjochung Schweden's sichselbst nichts Gutes von Christian dem II. versah, war gegen den hohenLübeck's Flüchtling sehr freundlich, versprach ihm eine Unterstützung an Geld undVer- Mannschaft, wenn die Umstände einen solchen Beistand nöthig machen soll-sprechen. ^n, und begünstigte seine Heimkehr.
Landung in Gustav landete auf einem Kauffahrteischiff glücklich in SchwedenSchweden (1520). Zuerst ging er nach Kalmar, dann nach Smaland und endlich1520- uach Südermannland. Hier besuchte er seine Schwester, die mit einemReichsrathe vermählt war, und that ihr seinen Vorsatz kund, das Volk zurVertheidigung aufzurufen und sich an dessen Spitze mit Gewalt den Wegnach Stockholm zu bahnen. Aber die furchtsamen Verwandten baten ihn,doch nicht sich und sie alle in's Verderben zu stürzen. So ging er dennweiter und verbarg sich auf einem Gute seines Vaters.
Inzwischen war es Christian dem II. gelungen, Schweden nach demTode des Reichsvorstehcrs zur Anerkennung der dänischen Herrschaft zu zwin-gen. Er versprach nach den Gesetzen Schweden's und den Bestimmungendes Kalmarischen Vereins zu regieren und wegen des Vergangenen keineRache zu üben. Hierauf fand zu Stockholm die feierliche Krönung statt.Blutbad in Drei Tage lang ward geschmauset, aber am 4. Tage (8. Nov- 1520) wurdeStockholm, bekannt gemacht, daß heute bei Todesstrafe Niemand seine Wohnung ver-lassen sollte. Zugleich schloß man die Stadtthore, führte Geschütze auf undstellte Wachen aus. Nun wurden 94 edle Männer, die für des LandesUnabhängigkeit gewirkt, herbeigebracht und — öffentlich enthauptet. Auchdie Angehörigen der Opfer wurden ergriffen und zum Tode geführt. DerMarktplatz war so mit Blut übergössen, daß es in die benachbarten Straßenrieselte. Drei Tage lang blieben die Leichname auf dem Richtplatz liegen;dann erst wurden sie verbrannt. — Ebenso grausam verfuhr man in denProvinzen: die Edelsten waren, wie gescheuchtes Wild, beständig auf der Flucht-2. Die Kunde von dem Blutbad in der Hauptstadt verbreitete sichauch nach Gustav's Einsamkeit. Er hörte, daß sein Vater und seine Vetternmitgefallen waren, und der Schmerz bestärkte ihn in seinen schon längstgefaßten Entschlüssen. Er wandte sich nach der westlichen Grenze Schwe-Flncht zu d. den's, um die sogenannten Dalekarlen, Thalmänner, für seine Sache,Dalekarlen. die Sache des Vaterlandes, zu gewinnen. Diese Leute sind noch jetzt wegenihrer einfachen Sitten, ihrer Freiheitsliebe, ihrer Ehrlichkeit und Gastfrei-Gefahren. heit bekannt. Auf der Flucht dahin hatte er viel Ungemach auszustehen.Nachdem er öde Steppen, schroffe Gebirge und wilde Waldungen durchirrthatte, kam er in die Gegend von Falun das durch seine Kupferbergwerkeberühmt ist. Hier steckte er sich in grobe Knechtstracht, verdang sich beieinem reichen Bergmann und verdiente durch Dreschen und andere Hand-> Flensburg, Stadt an der Ostküste von Schleswig. — Falun, Bergstadtim Lande der Dalekarlen, nordwestlich von Npsala.