Band 
Dritter Kursus.
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Erster Koalitionskrieg von 1792—1795.

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tet, Friedrich Wilhelm II. verband sich aber mit dem Kaiser und er-öffnete gleichfalls die Rüstungen. Die Anstrengungen des Kaiserstaats wa-ren für den wichtigen Zweck auffallend gering: die Gesammtmasse seinerStreitkräfte betrug nur 56,000 Mann. Eifriger bezeugte sich Preußen.Namentlich waren hier die jüngeren Offiziere von lebhafter Bewegung er-griffen und sahen die Bahn des Ruhmes und der Beförderung geöffnet.Thörichter Weise aber wähnte man, die „Armee der Pariser Advokaten" mitleichter Mühe auseinander sprengen zu können. „Kaufen Sie nicht zuviele Pferde", sagte der Kriegsminister zu den Offizieren, „die Komödiewird nicht lange dauern," und der Herzog von Braunschweig äußerte:„Meine Herren, nicht zu viel Gepäck! alles ist nur ein militärischerSpaziergang." — Auch hier wurden nicht mehr als 45,000 Mann inBewegung gesetzt.

Unter Anführung des als Feldherrn hochberühmten Herzog Ferdinandvon Braunschweig rückte (19. Aug. 1792) das preußische Heer, welchemder König und seine zwei ältesten Söhne persönlich folgten, nebst 12,000Emigranten und 6000 Hessen durch das Erzstift Trier in Lothringen ein,nachdem vorher schon die Feindseligkeiten an den Grenzen der österreichischenNiederlande zwischen Franzosen und Oesterreichern begonnen hatten. DieVerbündeten eroberten die Festungen Longwy i und Berdun' und drangensiegend nach der Champagne vor. Ganz Paris gerieth in Aufregungund war mehrere Tage hindurch der Schauplatz gräßlicher Mordszenen.Am 25. Juli, noch vor dem Einmarsch der Truppen, hatte der Herzog vonBraunschweig ein Manifest an die französische Nation erlassen. Darinward Allen, die nicht sogleich die geheiligten Rechte des Königthums aner-kennen würden, besonders der Stadt Paris, mit Feuer und Schwert ge-droht. Ihr, dem Heerdc der Empörung, sollte es ergehen, wie einst Jeru-salem: kein Stein sollte auf dem anderen bleiben. Einer so drohendenSprache hatte es gerade bedurft, um die Vaterlandsliebe der Franzosenanzufachen. Der General Dumouriez sah rasch sein Heer verstärkt undnahm Stellung auf den Höhen von Valmy Beim Versuch des Herzogsvon Braunschweig, die Feinde aus dieser Stellung herauszumanövriren,kam es zur Kanonade von Valmy (20. September), in welcher TausendeVon Kugeln gewechselt wurden. Es schien nichts Sonderliches geschehenzu sein, und doch waren die Folgen dieses Artilleriegefechts von unermeß-licher Tragweite Noch an demselben Abend trat im Lager der PreußenEntmuthigung an die Stelle des bisher herrschenden Selbstvertrauens. An-haltende Regengüsse hatten den lehmigen Boden der Champagne in einenMorast verwandelt; der Genuß von unreifen Trauben — tagelang daseinzige Nahrungsmittel — hatte Ruhrkrankheiten erzeugt und viele Kriegerin's Grab gestürzt; man mußte auf den Rückzug denken und alles gewon-nene Land sammt den Festungen räumen. Schon am 23. Oktober ver-kündigte Kanonendonner längs der ganzen Grenze, „daß das Land derFreiheit (so lautete der französische Bericht) von den Despotenknechten ge-

1 Longwy, französische Grenzfestung, südwestlich von Luxemburg.— Verdun,S. 115 Anm. 1. — Valmy, Dorf bei St. Menehould an der Aisne.

2 Göthe, welcher den Herzog Karl August von Sachsen-Weimar auf diesemFeldzuge begleitete, erkannte die Bedeutung des Tages und sprach sie gegenFreunde mit den Worten aus: „Von hier und heute geht eine neue Epoche derWeltgeschichte aus, und Ihr könnt sagen, Ihr seid dabei gewesen."

BündnißzwischenOesterreichu. Preußen.

Manifest d.Herzogs v.Braun-schweig.

Valmy.