Der Krieg auf der pyrenäischen Halbinsel 1807—1814. 235
sich wie ein Mann gegen solche Willkür. Schon am 2. Mai 1808 war in Madridbei der Nachricht, Vaß die königliche Familie die Stadt verlasse, ein Auf-stand ausgcbrochen, aber durch Murat blutig niedergeschlagen worden. Da-durch nicht eingeschüchtert, setzten die Spanier den Kampf fort, der sich Kampf insechs Jahre (1808 — 1814) hinzog. Ueberall bildete das erzürnte Volk SpanienJunten (Bündnisse) und stellte sich freiwillig unter Leitung der obersten ^08 — 14.Junta von Sevilla i. Diese rief die ganze männliche Bevölkerung vorn16. bis 45. Jahre zu den Waffen und erklärte am 6. Juni 1808 anFrankreich den Krieg.
Napoleon schickte nach den wichtigsten Provinzen ansehnliche Armee-korps und hoffte so, den Aufstand rasch zu unterdrücken. Doch seine Regi-menter, im freien Felde meistens Sieger, konnten die spanischen Guerilla-banden nicht vertilgen; gleich dem Haupte der Hydra kamen statt einer ge-schlagenen Abtheilung mehrere neue zum Vorschein. Bei Baylen^ mußten Baylen.sogar 14,000 Franzosen sich an die Spanier ergeben (24. Juli). DiesesEreigniß ließ den König Joseph, welcher erst am 20. Juli in Madrid ein-gezogen war, die Hauptstadt schon am 1. August wieder verlassen. Zu der-selben Zeit entschied sich auch der Kampf vor Sa ragossa ^ zum Nachtheil 1. Verthei-der Franzosen. Seit Ende Juni wurde diese Stadt von 8000 Mann hart digung Sa-belagert; aber unter Leitung des heldenmüthigen Palafox hielten die Bürger ragossa's.nicht nur ein heftiges Bombardement aus, sondern bestanden auch einenfürchterlichen Straßenkampf. Mann und Weib, Alles half bei der Verthei-digung. Bald nach dem Tage von Baylen hoben die Franzosen die Bela-gerung mit einem Verluste von 3000 Mann auf (14. August); von Sei-ten der Bürger waren 2000 geblieben.
Auch Junot's Lage in Portugal wurde unhaltbar. Am 1. August lan-dete daselbst ein engliches Heer unter Arthur Wellesley, dem nachmaligen Wellesley.Herzog von Wellington, und besiegte die Franzosen zweimal (17. u. 21.
August), worauf sie das Land räumen mußten.
3. Unter solchen Umständen beschloß Napoleon, selbst nach Spanienzu gehen. Vor dem Aufbruch aber glaubte er, der Welt sein Ansehen undsein gutes Einverständniß mit Rußland zeigen zu müssen. Vom 27. Septemberbis 14. Oktober 1808 fand daher mit Kaiser Alexander eine Zusammenkunftauf dem berühmten Kongreß zu Erfurt statt, wo auch die Könige von Erfurt.Baiern, Würtemberg, Sachsen und Westfalen, sowie mehrere Großherzöge,
Herzöge, Fürsten und Prinzen eintrafen. Nicht mit Unrecht konnte Napoleonzu seinem berühmten Schauspieler Talma sagen, „er möge sich gefaßt hal-ten, vor einem ganzen Parterre von Königen zu spielen." In jenen ver-hängnißvollen Tagen kamen die beiden mächtigsten Monarchen des Konti-nents mit einander überein, daß Napoleon seine Herrschaft im Südenund Westen, Alexander die seine im Norden und Südosten Europa's, na-mentlich durch die Besitzergreifung Finnland's, der Moldau und Walachei,befestigen und erweitern solle.
Nachdem Napoleon sich also den Rücken gedeckt, zog er mit 200,000Mann, bei denen auch die Kontingente des Rheinbunds sich befanden, überdie spanische Grenze, warf die feindlichen Streitkräfte über den Haufen und
r Sevilla, Stadt in Andalusien, am linken Ufer des Gnadalquivir. --Baylen, Flecken am Fuße derSierra Morena, nordöstlich von Kordova. — Sa-ragossa, Hauptstadt der Provinz Aragonien, am linken Ufer des Ebro.