Band 
Dritter Kursus.
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Großbritannien I81ö—1830.

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hohen Zöllen belegt war, was nothwendig die Steigerung der inländischenFruchtpreise zur Folge hatte.

Auch der Charakter der an der Spitze stehenden Persönlichkeiten warnicht ohne Einfluß auf die öffentliche Stimmung. Georg IV. hatte 1811 Georg IV.für seinen in Wahnsinn verfallenen Vater (Georg den III.) die Regentschaftübernommen und nach dessen erfolgtem Tode (Januar 1820) den Thronbestiegen. Aber weder als Regent, noch als König besaß er die Liebe desVolkes. In früheren Jahren ein Freund der Whigs, war er, sobald erAntheil an der Regierung erhielt, zur Partei der Tories übergegangenund begünstigte, jede Reform verwerfend, ausschließlich die Aristokratie.

Der Unwille gegen Georg den- IV. wuchs noch, als er (Juli 1820) seineunglückliche Ehe mit Karoline von Braunschweig durch einen Scheidungs-prozeß vor dem Oberhause zu lösen unternahm. Nach einem höchst anstößigenZeugenverhör mußte die Anklage zurückgenommen werden. Bald darauf,am 7. August 1821, starb die Königin und wurde in Braunschweig beigesetzt.

Georg des IV. Minister, Lord Castlereagh, seit 1809 der eigentliche Castlereagh.Lenker der englischen Politik, vermochte der Regierung auch nicht allgemeinenBeifall zu verschaffen. Als entschiedener Gegner jeder politischen und kirchlichenReform hatte er sich den Adel und die Geistlichkeit zum Freunde, aber dasVolk zum Feinde gemacht. Schon mehrte sich die Unzufriedenheit in denMassen, schon war das englische Staatsfchiff in bedeutende Schwankungenversetzt, als am 12. August 1822 die Kunde von dem Selbstmorde Cast-lereagh's erscholl, der sich in einem Anfall von Schwermuth mit einemFedermesser die Schlagader am Halse geöffnet hatte.

An seine Stelle trat Georg Canning, ein Mann, gleich ausgezeichnet Canningdurch Beredtsamkeit wie politische Einsicht. Dieser leitete sofort die englische 1822-27.Politik in neue selbständige Bahnen. Sein Grundsatz war, daß jedes Volkseine inneren Verhältnisse selbst zu ordnen habe. und daß darum — diesbemerkte er den Mitgliedern der heiligen Allianz — jede europäische In-tervention zu vermeiden sei. Doch nicht nur in den auswärtigen Angele-genheiten, in allen Zweigen der Verwaltung machte sich Canning's überleg-ner Geist geltend. Er milderte die drückenden Korngesetze, bestimmte hin-sichtlich der Sklaverei in den englischen Kolonien, daß die Sklaven durchgeistige und sittliche Bildung ihrer gänzlichen Befreiung entgegengeführt,der Sklavenhandel aber der Seeräuberei gleichgeachtet und mit dem Todebestraft werden sollte. Eben so arbeitete er an der Emanzipation der Ka-tholiken. Leider starb er bereits am 8. August 1827, doch hinterließ erden Ruhm, einer der besten und größten Staatsmänner der neueren Zeitgewesen zu sein.

Nach einigen Uebergangsministerien trat der Herzog von Wellington Wellington.(S. 236) an die Spitze der Staatsregierung, der, obgleich zu der Partei derTories gehörend, dem in Canning's Verwaltung wehenden Geist der neuen Zeitsich nicht verschloß. Er schaffte nicht nur 1828 die sogenannte Te stakteab, die alle Katholiken von den höheren Staatsämtern ausschloß, sondernnahm auch die Lösung der Katholikenfrage in die Hand.

Diese Frage war von besonderer Wichtigkeit für Irland, wo die Irland.Katholiken die überwiegende Mehrzahl bildeten. Die Iren, von den Eng-ländern schon durch Stammesunterschied getrennt, befanden sich seit Jahr-hunderten im Zustand der Unterdrückung und suchten sich ihrerseits durch