Band 
Dritter Kursus.
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Neue Geschichte.

II. polen seit 1830.

Aufstand in Warschau, November 1830. Chlopicki Diktator. Forderung des Kai-sers Nikolaus. Diebitsch besiegt bei Praga und Grochow, Februar 1831. Nieder-lage Skrzynecki's bei Ostrolenka, Mai. Cholera. Paskewitsch siegt bei Warschau,September. Polen russische Provinz. Die polnischen Revolutionäre im Auslande.

Aufstand zu Krakau 1846.

Die Freiheitsrufe von Paris uud Brüssel fanden einen mächtigenAufstand in Wiederhast inWarschau, der Hauptstadt des unter russischem Zepter stchen-Warschau den Königreichs Polen (S. 215), und am Abend des 29. November 1830 brachNov. 1830.^^1,^ geplanter Aufstand aus. Das Staatsgefängniß wurde erbrochen,das Zeughaus gestürmt und das Belvedöre, die Residenz des GroßfürstenKonstantin, überfallen. Nur mit Mühe entging dieser der Ermordung, undschon am nächsten Morgen mußte er sammt den russischen Truppen dieStadt verlassen.

Nach dem Abmarsch der Russen gab sich die Bevölkerung von Warschaueinem grenzenlosen Freudenjubel hin, der sich bald über das ganze Landverbreitete und von den Palästen der Großen bis hinab in die ärmste Hüttereichte. Aus allen Theilen Polen's strömte die waffenfähige Jugend nachder Hauptstadt, um sich dem Vaterlande zur Verfügung zu stellen. ManChlopicki. setzte eine vorläufige Regierung ein und wählte den General Chlopicki,der schon unter Kosciusko (S. 214) gefochten und dann unter Napoleonmit Auszeichnung gedient, zum Oberbefehlshaber des Heeres und bald darauf(5. Dezember) zum Diktator. Chlopicki erkannte, daß 3 Millionen Polen,ohne hinreichendes Kriegsmaterial, unmöglich 48 Millionen, mit Waffenreichlich versehenen Russen die Spitze bieten könnten, und bcschritt darumForderung den Weg der Verständigung. Allein die von ihm nach Petersburg abgc-des Kaisers ordnete Gesandtschaft brachte vom Kaiser Nikolaus die wenig tröstlicheNikolaus. Mtwort mit: Kein Heil, als völlige Unterwerfung!

Unterdeß (18. Dezember) hatte sich der polnische Reichstag versammelt.Als der ungünstige Bescheid aus Petersburg bekannt wurde, antworteteder Reichstag mit Ausschließung des Hauses Romanow vom polnischenThron (25. Januar 1831). Nach solchem Beschlusse legte Chlopicki dieDiktatur nieder, worauf Fürst Czartoryski den Vorsitz in der proviso-rischen Regierung und Fürst Radziwill den Heerbefehl übernahm.

Nachdem der Kaiser noch einmal die Polen unter Zusicherung seinerGnade vergebens zur Unterwerfung aufgefordert hatte, ließ er am 5. FebruarDiebitsch. 1831 den Feldmarschall Diebitsch mit 120,000 Mann und 400 Kano-nen in das Königreich einrücken. Die ihm entgegengestellten polnischenHaufen fochten mit großer Tapferkeit, konnten jedoch durch die blutigstenKämpfe nicht hindern, daß die Russen am 19. Februar bis vor Praga^kamen. Hier aber wurde Diebitsch nach mehrtägigem Angriffe und beson-Grochow ders durch die hartnäckige Schlacht bei Grochow 1, wo (25. Februar) dieFebr. 1831. polnischen Sensenträger das schönste russische Reiterregiment vernichteten,zum Rückzug genöthigt. Nunmehr trat, da Radziwill freiwillig dem Ober-befehl entsagte, Skrzynecki, der Held von Grochow, an die Spitze desHeeres. Nachdem dieser in vergeblichem Hoffen auf französische Hilfe einekostbare Zeit hatte verstreichen lassen, ging er, um die ebenfalls aufgestan-

r Praga, Stadt am rechten Weichselufer, Warschau gegenüber, als dessenVorstadt sie zuweilen angesehen wird. — Grochow, Dorf südöstlich von Praga.