Frankreich 1830-1848.
273
Grad der Unzufriedenheit und des Widerwillens gegen sein Regiment er-wachsen, und es bedurfte bei dem Charakter der Franzosen und den Wüh-lereien der Parteien nur eines geringen Anlasses, um den Anstoß zu einerneuen Revolution zu geben. Dies geschah durch die Hindernisse, die Gui-z o t durch das Verbot der Reformbankette dem Versammlungsrecht bereitete.
In Folge dessen brach am 22. Februar 1848 in Paris die Februar- Februar-revolution aus, durch welche die Julimonarchie gestürzt und das Haus EvolutionOrleans aus Frankreich vertrieben wurde.
84. Deutschland seit 1848.
I. Deutschland 1848—1851.
1. Revolution in Wien und Berlin. Nationalversammlung in Frankfurt:Grundrechte. Oesterreich 1848—1849. Preußen. Nationalversammlung: Reichs-versassung. Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm den IV. Aus-stände in Sachsen, der Pfalz und Baden. 2.. «Schleswig - Holstein 1848 — 1852.Dreikönigsdündniß. Frankfurter Interim. Die Union: Erfurter Parlament 1850.
Kurhessen. Dresdener Konferenzen 1850—1851. Rückkehr zum Bundestag.
1. Die Februarrevolution (22.—24. Februar 1848) zu Paris versetzteganz Deutschland in eine stürmische Bewegung. Allgemein verlangte manhier für die Einzelstaaten freie Verfassungen und dazu eine Volksvertretungam Bunde, sowie eine oberste Gewalt im Sinne deutscher Einheit. Auchmachte diesmal die Bewegung an der Schwelle der Großstaaten nicht Halt.
Nachdem Anfang März alle Mittel- und Kleinstaaten zur Befriedigung derVolkswünsche gezwungen worden waren, hatte Wien am 13. März und AufständeBerlin am 18. März einen Aufstand, der dort den Fürsten Mettcrnich m Wienstürzte und hier Friedrich Wilhelm den IV. zu zeitgemäßen Zugeständnissen Berlin,bewog. Die größte Hoffnung aber setzte das Volk auf die freierwählteNationalversammlung, welche am 18. Mai 1848zu Frankfurt a. M. Natioual-eröffnet wurde. Diese ernannte Heinrich v. Gagern zu ihrem Präsidenten versamm-und den Erzherzog Johann von Oesterreich zum Reichsverweser. In des ""'8-letzteren Hände legte der Bundestag nach 32 jähriger Amtsführung seineGewalt nieder. Die Berathungen der Versammlung erstreckten sich aufdie Reichsverfassung, wodurch die Einheit, und auf die Grundrechte, Gruud-wodurch die Freiheit des deutschen Volkes gesichert werden sollte. Letztere rechte,wurden zuerst festgestellt, nahmen aber die Abgeordneten über 5 Monate(9. Juli bis 21. Dezember 1848) in Anspruch. Und als darauf die Ver-sammlung in die Berathung der eigentlichen Verfassung eintrat, warendie deutschen Regierungen und besonders die beiden Großstaaten bereits wie-der so erstarkt, daß sie sich den in Frankfurt gefaßten Beschlüssen nicht ohneweiteres fügen wollten.
In Oesterreich bezwäng Marschall Radetzky die italienische Re- Oesterreichvolution (S. 286); Fürst Windischgrätz trieb die Böhmen (18. Juni 1848- 49.1848) zu Paaren und zog dann vor Wien, welches er nach achttägigemblutigen Kampf (31. Oktober 1848) einnahm. Auch nach Ungarn rückteer vor, doch konnte dieses Land wegen des hartnäckigen Widerstandes, wel-chen der Diktator Kossuth organisirt hatte, erst im August 1849 mitHilfe russischer Truppen unterworfen werden. Nach der Eroberung Wiewshatte Ferdinand I. (S. 268i den Fürsten Schwarzenberg an dieSpitze des Ministeriums gestellt und bald darauf (2. Dezember 1848) zu
Spieß u. Beriet, Weltgeschichte III. 4. Aufl. 18