Frankreich's zweites Kaiserthum 1852—1876.
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Damit glaubte Napoleon vor der Hand dem Ruhmesgelüste der Fran-zosen Genüge gethan zu haben, denn bei seiner Kränklichkeit und im Be-wußtsein der Stärke des Gegners schien es ihm bedenklich, sein ganzesRegiment dem wechselnden Kriegsglück anzuvertrauen. Er suchte daher aufanderem Wege die laute Unzufriedenheit iin Lande zu beschwichtigen, indemer mit der ihm eigenen Klugheit in „freiere Bahnen" einlenkte. Er ge- Freierewährte (1868) Preßfreiheit und stellte das freie Vereins- und Vcrsamm- Bahne»,lungsrecht, das seit 1851 geruht hatte, wieder her. Diese inneren Angelegen-heiten nahmen die französische Nation so sehr in Anspruch, daß die Kriegs-gerüchte längere Zeit verstummten. Und als auch die Luxemburger Frage(S. 279) friedlich beigelegt wurde, da athmete ganz Europa auf. Aber dieUnzufriedenheit im Innern Frankreich's, geschärt durch Republikaner undRadikale, dauerte fort, und bei den Neuwahlen zum gesetzgebenden Körper Neuwahlenim Frühling 1869 gerieth die ganze Nation in fieberhafte Aufregung.. Da 1869.vielfach und besonders in den großen Städten sogenannte „Unversöhnliche"gewählt wurden, so erkannte Napoleon, daß er nur dann den Thron seinemunmündigen Sohn vererben werde, wenn er Krieg mit Preußen beginne.
Dermalen aber verbarg er diese Erkenntniß in der Tiefe feines Herzens.
Bei Eröffnen der Kammern (November 1869) stellte er sich vielmehr i, alswenn er von nun au das persönliche Regiment völlig durch ein parlamen-tarisches ersetzen wollte. Das Ministerium Ollivier wurde mit dieser Um-wandlung betraut und zugleich veranlaßt, die getroffenen Veränderungendurch eine allgemeine Volksabstimmung (Plebiszit) bestätigen zu lassen. PlebiszitAm 8. Mai 1870 sprachen sich 7 Millionen Stimmen (gegen l'/z Milli- 1879.onen) für die kaiserliche Regierung aus, und Napoleon III. fühlte sich da-durch so gekräftigt, daß er nunmehr den Krieg gegen Preußen wagen Krieg gegenzu können glaubte. Preußen.
Sehr gelegen kam es ihm daher, daß die Spanier, welche im Jahre 1868ihre Königin Jsabella vertrieben hatten (S. 290), dem Erbprinzen Leopoldvon Hohenzollern (aus der schwäbisch-katholischen Seitenlinie) die Kroneihres Landes antrugen und sich dieser bereit erklärte, sie anzunehmen.
Diese Thronkandidatur, welche lediglich das Werk des spanischen Minister-präsidenten Prim war, wurde als eine preußische Intrigue, als „eine An-maßung Bismarck's" dargestellt, und der Herzog v. Gramont, Ministerdes Auswärtigen, versicherte (6. Juli 1870) in der Kammer, „Frankreich werdenicht dulden, daß eine fremde Macht, indem sie ihren Prinzen auf den ThronKarl des V. setze, zu ihrem Vortheil das Gleichgewicht der Mächte Eu-ropas störe und die Interessen und die Ehre Frankreich's gefährde." Da-zu wurde die Presse in Bewegung gesetzt, um die Kriegswuth gegen Preußenaufzureizen, was bei der leidenschaftlichen Erregbarkeit des französischenVolkes keine Schwierigkeit machte. Amtliche wie nichtamtliche Blätter stimm-ten in dem Toben gegen Preußen und Bismarck, „den Ruhestörer Euro-pas," überein, und nur die Organe der Opposition standen auf Seitender immer schwächer werdenden Friedenspartei „gegen das übermüthige Sä-
r Um diese Zeit, am 16. November 1869, wurde der von dem französischenIngenieur v. Lesseps erbaute Suezkanal eröffnet, dessen Förderung und Durch-führung hauptsächlich ein Verdienst Napoleon des III. ist. — Im Jahre 1875 er-kaufte England den Antheil des Vizekönigs von Aegypten an dem Suezkanal für4 Millionen Pfund Sterling (d. i. 80 Mill. Mark).