Erhebung
Ostpreußens
8.—S. Fsbr.1813
Maßnahmendes KönigSin Breslau
8. Febr.
Bündnisvon Kaliich2?.Febr. 1818
Aufruf anmein Volk
17. März
122 Erstes Buch: Die französische Revolution und die Neugestaltung Europas. 8 65.
hatte auf alle seine Anfragen in Berlin, wie er sich dem Drängen derRussen gegenüber verhalten solle, keine Instruktion erhalten; nur dieAntwort war ihm zuteil geworden: er solle „nach den Umständen handeln".Als er dann aber, durch diese Umstände, militärische wie patriotische, be-wogen, sich schweren Herzens zu der Konvention entschloß, wurde er vondem Könige, der eine Vergewaltigung durch die Franzosen fürchtete, seinesKommandos enthoben. Doch wurde der Adjutant des Königs, der dieseBefehle an Jork bringen sollte, von den Russen nicht zu den preußischenTruppen durchgelassen, und so entschied sich Jork, der ohne offizielleNachricht geblieben war, an der Konvention festzuhalten und den ihm vornKönige vor dem Abschluß derselben übertragenen Posten des Gouverneursder Provinz Preußen zu übernehmen. Hier kam ihm die erwünschte Hilfedurch die Ankunft des Freiherrn vom Stein, der mit andern vaterländischgesinnten Männern in der von der größten Begeisterung erfüllten Ver-sammlung der Stände der Provinz Preußen in Königsbergeine allgemeine Volksbewaffnung, bestehend in Landwehr und Landsturm,durchsetzte. Napoleon geriet über die Konvention Jorks in heftigen Zorn;er benutzte dieselbe, die wohlbegründeten Schuldforderungen Preußens nun-mehr entschieden abzuweisen.
Am 22. Januar hatte auch der König Potsdam verlassen und war nachBreslau geeilt, um aus dem drohenden Bereich der Franzosen zu kommen;er wurde dort von der Bevölkerung mit dem größten Jubel empfangen,denn man fühlte, daß nunmehr die Entscheidung nahe sei. Und obwohler noch ein offenes Bündnis mit den Russen vermied, so zeigte doch dieam 12. Februar befohlene Mobilmachung aller Feldtruppen in Schlesienund Pommern dem Volke, daß der Krieg vorbereitet werde. Auch einAufruf zur Bildung freiwilliger Jägerbataillone erging, und die bis-herigen Ausnahmen von der Wehrpflicht wurden aufgehoben. Eine un-glaubliche Kampfeslust erwachte in dem bisher so schwer geknechtetenpreußischen Volke ; in kurzem stand nicht nur ein starkes, zum großen Teilaus Freiwilligen gebildetes Kriegsheer unter den Waffen, sondern eine inallen Städten und Dörfern organisierte und auf eigene Kosten ausgerüsteteLandwehr war zum Aufbruch bereit, wenn das Vaterland sie ins Feldrufen würde. Diese Hingebung des Volkes, diese aus dem tiefsten Herzenkommende Begeisterung und Vaterlandsliebe ließen auch den König denGlauben an sein Volk wiederfinden. Und so schloß er denn am 27. Februarin Kalisch das Bündnis mit Rußland ab. Rußland verpflichtetesich, Preußen in dem Umfange von 1806 wiederherstellen zu helfen und dazu allenorddeutschen Gebiete, die im Laufe des Krieges den Franzosen abgenommenwürden, zu verwenden, mit Ausnahme Hannovers; dagegen verzichtete Preußenaus seine polnischen Besitzungen bis auf einen Landstrich, der die ProvinzPreußen militärisch und geographisch mit Schlesien verbinde. Zur Er-reichung dieser Ziele sollte Preußen 80 000, Rußland 150 000 Mann stellen.Österreich, England und Schweden sollten sofort von dem Bündnisse unter-richtet werden.
Damit waren die Würfel gefallen. Am 15. März erschien KaiserAlexander in Breslau, am 16. überreichte Hardenberg dem französischenGesandten die Kriegserklärung, und am 17. erfolgte des Königs „Aufrufan mein Volk", der in seiner einfachen, ergreifenden Sprache einewunderbare Wirkung hervorbrachte. Die Begeisterung ergriff alle Stände