126 Erstes Buch: Die französische Revolution und die Neugestaltung Europas. H 67.
26. Aug.
Kamps inSchlesien
Schlacht ander Katzbach26. Aug.
er beherrschte die ganze Elblinie und führte nicht Koalitionstruppen, sondernein Heer, das seinem einheitlichen Willen folgen mußte und von trefflichenGeneralen befehligt war. Mit gewohntem Scharfblick richtete er den erstenAngriff gegen die ihm am schwächsten erscheinende und zugleich begehrens-werteste Stelle, gegen Berlin, das nur matt durch die schwankende undzweideutige Haltung Bernadottes geschützt schien. Aber in der gegen denW.Aug. isiZ Willen Bernadottes durch Bülow herbeigeführten Schlacht bei Groß-beeren („Unsere Gebeine sollen diesseits der Spree bleichen, nicht jenseitsder Spree!" hatte Bülow ingrimmig im Kriegsrat gerufen) erlitt Oudinoteine völlige Niederlage. Die von Napoleon so verächtlich behandelte preußischeLandwehr erhielt hier ihre Blutläuse und fand ihren ersten Ruhmestag.Durch diese Niederlage wurden auch die von Magdeburg und Hamburgentsandten französischen Truppen zur Umkehr gezwungen. Die erstern2 ?. Aug. unter General Girard wurden bei Hagelberg von den kurmärkischenLandwehrmännern unter Hirschfeld aufgerieben. In einem der Gefechtemit den von Hamburg aus unter Davoust operierenden Franzosen fandTheodor Körner bei Gadebusch den Heldentod.
Napoleon selbst hatte sich mit seiner Hauptmacht von Dresden nachSchlesien gegen Blücher gewandt. Dieser war nach dem TrachenbergerSchlachtplane dem Stoße ansgewichen, um dem böhmischen Heere Zeit zumVorrücken zu geben. Als dann aber Napoleon auf die Nachricht von demHerannahen Schwarzenbergs nach Dresden selbst zurückeilte und nurMacdonald in Schlesien zurückließ, war Blücher wieder vorgegangen undhatte in der glänzenden Schlacht an der Katzbach (in der Nähe derWalstatt der Mongolenschlacht sll, Z 234j) die französischen Truppenvöllig geschlagen. Es war ein Kampf, der Blücher, dieser volkstümlichenHeldengestalt voll kriegerischen Ungestüms und treuherzigen Wesens, denTitel eines Fürsten von Wahl statt verschaffte und 18000 Ge-fangene und eine große Masse Geschütz in die Hände lieferte. „Schlesienist vom Feinde befreit," rief Blücher in einem Tagesbefehl seinen Soldatenzu; „eure Bajonette stürzten ihn den steilen Talrand der wütenden Neißeund der Katzbach hinab. Seitdem habt ihr Flüsse und angeschwolleneRegenbäche durchwatet, ohne der Kälte und Nässe, des Mangels undder Entbehrungen zu achten." Schwarzenberg dagegen hatte mit derböhmischen Armee vor Dresden in denselben Tagen eine schwere Nieder-2«., 27. Aug. lagx erlitten. Die böhmische Armee war ohne besondere Eile über dasErzgebirge in Sachsen eingerückt und hätte Wohl Dresden überrumpelnkönnen. Durch ihre Langsamkeit aber erhielt Napoleon Zeit, aus Schlesienzurückzukommen und seine Truppen zu sammeln; als dann am 26. Augustdie Verbündeten den Angriff aus Dresden begannen, vermochte er siezurückzuschlagen, am 27. August selbst zu kräftigem Angriff vorzugehen undihnen eine schwere Niederlage beizubringen. Er erlebte hier den Triumph,daß sein Gegner Moreau (§ 38), den Alexander unter Bernadottes Ver-mittlung aus Amerika herbeigerufen hatte, tödlich verwundet wurde.
Der Rückzug Schwarzenbergs nach Böhmen würde bei den grundlosenWegen sehr verhängnisvoll geworden sein, wenn nicht die heldenhafte Tapfer-keit des Herzogs Eugen von Württemberg Vandamme's Versuch,von Königstein her dem Heere den Rückzug abzuschneiden, vereitelt hätte.Napoleon hatte seinen in das Tal von Teplitz vorgedrungenen Feldherrnnicht genügend unterstützt. Hier kam es zu dem blutigen Treffen bei
Schlacht beiDresden
Kämpfe inBöhmen