Band 
Vierter Band.
Seite
131
JPEG-Download
 

Viertes Kapitel: Die Befreiungskriege und die Neuordnung Europas.

131

8 69 .

südöstlichen Frankreich zuzog, um im Seinetale auf Paris zu marschieren.

Die Nordarmee wurde ausgelöst; Bülow, der Sieger von Groß-Beeren,wurde zur Befreiung Hollands entsandt und bewirkte die Rückkehr desErbstatthalters in seine Staaten. Tauentzien erhielt den Befehl, die nochvon den Franzosen besetzten Elbsestungen zu nehmen. Bernadotte, dersich als Vermittler zwischen Frankreich und Europa zudrängte, zog nachNorden ab und suchte sich durch Schonung die Gunst seiner französischen Lands-leute zu gewinnen, um vielleicht durch dieselben Mittel, die ihm dre Kronevon Schweden verschafften, sich den Weg zum französischen Thron zu bahnen,und nahm nach dem Frieden von Kiel (H 68 ) am Kampfe nicht mehr teil.

In der Champagne trafen die Heere Blüchers und Schwarzenbergs inFrE»»zusammen, und der Sieg bei La Rothiere, der aus den blutrgen, aber - °unentschiedenen Kamps von Brienne folgte, versprach den Verbündeten W.einen schnellen glücklichen Ausgang. Das französische Heer, an des Kaisersweiterem Glück verzweifelnd, verlor den Mut. Fürchterlich zugerichtet,den Strapazen und dem Hunger fast erliegend, zog es nach Trotzes zurück,wobei ein großer Teil der jungen Soldaten die Fahne verliest. Aber diezögernde Kriegssührunq der Sieger ließ dem Kaiser Zeit, sich aufzuraffen,und da die Schwierigkeit der Verpflegung mitten im Wmter rn Feindes-land eine Trennung der beiden Armeen nötig machte, indem Schwarzen-berg an der Aube 'und Seine, Blücher längs der Marne aus die Haupt-stadt zog, so gelang es dem französischen Kaiser, dessen Feldherrntalentvon neuem in vollem Glänze strahlte, den gebeugten Mut der Franzosenwieder auszurichten. Er ließ „mit unerhörter Kühnheit" nur eine kleineTruppenzahl zur Beschäftigung des Schwarzenbergschen Heers zurück; Mitder übrigen Streitmacht warf er sich rasch aus Blüchers Armee, schlug sie,getrennt' und überrascht, innerhalb fünf Tagen in fünf glücklichenTreffen (bei Cham p au b ert , Montm i ra i l , Chäteau - Thierrh undVauchamps) und zwang sie zum Rückzug. Dann wandte er sich blitzeS-schnell gegen die Hauptarmee und nötigte auch diese durch die Siege vonNangis' und Montereau zur Rückkehr nach Trotzes. Blücher mußtesich mit der Hauptarmee wieder vereinigen. Diese Vorgänge machten aus ünterhand-die Verbündeten solchen Eindruck, daß es bei den neuen Friedensunterhand-lungen, die in Chatillon eröffnet worden waren, dem Kaiser nicht schwergeworden wäre, sich im Besitz des französischen Thrones zu erhalten, wenner auf die übrigen mit Frankreich verbundenen oder von seinen Ver-wandten beherrschten Länder verzichtet hätte. Die allgemeine Furcht voreiner Volkserhebung in Frankreich, die Abneigung Alexanders gegen dieBourbonen, die Rücksichten der Österreicher für den Schwiegersohn ihresKaisers legten ein großes Gewicht in die Wagschale der Friedenspartei.

Aber die mit jeder günstigen Wendung gesteigerten Forderungen Napoleons,die beschränkten Vollmachten seines Diplomaten Caulaincourt und seineeigenen zweideutigen Erklärungen verzögerten den Abschluß eines end-gültigen Abkommens. Die Verbündeten erneuerten in dem Vertrag von u M°r,Chaumont den Beschluß, nur einen gemeinschaftlichen Frieden einzugehen. ^Schon vorher hatte Blücher den ersehnten Befehl erhalten, sich von beginn d-sber Hauptarmee zu trennen, die Verbindung mit Bülow, der aus den KampesNiederlanden heranzog, zu bewerkstelligen und auf Paris zu marschieren.

Dadurch wurde auch Schwarzenberg veranlaßt, seinen Rückmarsch ein-zustellen und am 27. Februar bei Bar für Aube zum Angriff gegen 27 . F°br.

9*