758
Neuntes Buch: Die Zeit der neuen Weltpolitik und Weltwirtschaft. H ^
1905
Soziale Gesetzgebung
dann Botschafter in Paris und Statthalter in den Reichslanden (8gewesen war. Der im 76. Lebensjahre stehende Staatsmann verstand ts-in seiner selbstlosen, ruhigen, besonnenen Weise seiner schweren Aufgabe be-sonders in den kritischen Vorgängen der auswärtigen Politik (Englau'Afrika, orientaliche Frage, China) gerecht zu werden, während erFührung der preußischen Regierung dem Finanzminister v. Mique(s. u.) überließ, der 1892 an Stelle v. Böttichers stellvertretender Minist^Präsident geworden war. In den inneren deutschen Fragen suchte er ^vermitteln; vor allem sind das große Werk des Bürgerlichen Gesetzbuchsund die Reform des Militärstrafprozesses mit seinem Namen verknüpfBis zum 17. Oktober 1900 führte er sein Amt; dann reichte er, alters-ö. Juli 1901 müde, seine Entlassung ein und starb in Ragaz in der Schweiz.
Reichem- An seine Stelle trat Graf Bernhard v. Bülow, bisher Staats1 ? Lit'isoo ^kretär des Auswärtigen Amtes.
Mttoiiand- Die größten Schwierigkeiten ergaben sich immer wieder aus den wirtschaft^kanal politischen Gegensätzen zwischen den Agrariern und der Regierung. Sie lähchts1895 auch den weiteren Ausbau des deutschen Kanalsystems; zwar wurde der KackAug. 1899 Wilhelm-Kanal feierlich eröffnet (Z 372), der Dortmund-Emskanal, derJum isoo Travekanal angelegt, aber die so überaus wichtige Kanalverbindung des Rhech.und der Elbe, der sogenannte Mittellandkanal, kam nicht zustande, ^ ,die Agrarier davon eine Schädigung der agrarischen Interessen des OMfürchteten. In dem neuen Zolltarif von 1902 kam dann die Regierung ^Agrariern entgegen, beschränkte darauf den Mittellandkanal auf die Strecke voRhein bis Hannover: so wurde er angenommen.
Wie die wirtschaftlichen Gegensätze verschärften sich auch die soziale 'In der Arbeiterschutzgesetzgebung schritt Kaiser Wilhelm H. den von seinem 6Ü0Pvater betretenen Weg(§ 333) weiter. Nachdem er aus Anlaß eines gr§pArbeiterausstandes in dem rheinisch-westfälischen Kohlenrevier 1889 mit dFührern desselben persönlich verhandelt und sehr arbeiterfreundliche Gesinnung4. Febr. 1890 kundgetan hatte, veröffentlichte er in einem Erlaß an Bismarck seinen Entschm^zur Verbesserung der Lage der Arbeiter beizutragen und eine „internationa ^Arbeiterschutzkonferenz" zu berufen, behufs Verständigung über dielichkeit, denjenigen Bedürfnissen und Wünschen der Arbeiter entgegenzukoinnft 'welche in den Ausständen der letzten Jahre und anderweit zutage getretenMärz 1890 Die Erwartung Bismarcks, daß diese in Berlin tagende Konferenz die weitgehend.Pläne des Kaisers in ruhigere Bahnen leiten würde, erfüllte sich nicht; "während derselben mußte er seine Entlassung einreichen (siehe oben). Dieschlüsse der Konferenz, die sich wesentlich auf den Schutz junger Arbeiter vÜberlastung, Beschränkung der Sonntagsarbeit, Verhütung von Kinderarbeit uvon Beschäftigung der Arbeiterinnen zur Nachtzeit richteten, wurden jedoch ''i. Jun i8siin Deutschland, und auch hier nur teilweise, durch das Arbeiterschutzg^j °durchgeführt. In den folgenden Jahren wurden noch zahlreiche verbessernde Aschriften zu diesem Gesetze erlassen. Auch die Seemannsordnung,die Arbeitnehmer im Schiffahrtsgewerbe schützen und sich den Bedürfnissenmodernen Schiffahrt anpassen sollte, war ein erheblicher Fortschritt aufGebiete des Arbeiterschutzes. Ebenso wurden auch die drei großen 2>esicherungsgesetze (§ 333) weiter ausgebaut. .
1899 wurde die Invalidität?- und Altersversicherung, 1900 die Unfallversicheft^einer durchgreifenden Verbesserung unterzogen, so daß 1901 in der Krankenversicherung ^10 Millionen Personen 180 Millionen Mark, in der Unfallversicherung 1903 ca. 17 Vs ilPersonen 117 Millionen Mark, in der Invalidenversicherung 1903 ca. 13 0s Millionen P^rt127 Millionen Mark erhielten. 1903 wurde auch das Krankenwesen-Gejetz revidiert.bilden in der Tat diese Versicherungsgesetze einen integrierenden Teil des Kulturfortswder Menschheit.
1902