MuleyHafsan1879—18947. Juli 1894
Abd-ul-Azizseit 1894
1904
Der StilleOzean
Australien
790
Neuntes Buch: Die Zeit der neuen Weltpolitik und Weltwirtschaft.
Im Innern ging der Verfall Marokkos weiter; seine Existenz wurde nur durch die Elft^sucht der europäischen Hauptmächte geschützt, die sich über die Aufteilung nicht einigekonnten. Unter Muley Hass an, der durch Gesandtschaften freundschaftliche Beziehungmit denselben anzuknüpfen suchte, kam es zu wiederholten Unruhen, die nach seinem T"zu einem bedenklichen inneren Kriege führten. Es gelangte nämlich nicht sein altes»Sohn, Muley Mohammed, sondern ein jüngerer Sohn, Abd-ul-Aziz, durch eine Jntrsgdes Großkämmerers zur Herrschaft. Muley Mohammed stellte sich nun an die Spitze eN>eaufständischen Bewegung: er wurde indessen besiegt und in den Kerker von Mekines gmorsen. Die Ähnlichkeit mit Muley Mohammed benutzte dann 1902 ein Mann von nieder^Herkunft, Omar Zarhuni, um als Prätendent aufzutreten, zugleich gab er sich als Prvp^aus. So brach ein sehr gefährlicher Aufstand gegen den Sultan aus; dieser mußte sich nawschweren Niederlagen nach Fez zurückziehen. Ob die europäischen Mächte gezwungen werde 'in diese Wirren einzugreifen, wird die Zukunft lehren müssen; zunächst haben Frankrer^und England einen Vertrag abgeschlossen (Z 313), der den Franzosen weitgehende Rechte aMarokko zu bieten scheint.
Noch bis in das zweite Drittel des 19. Jahrhunderts erweckteStille Ozean vorwiegend aus Handelsrücksichten das Weltinteresse. Dawurde anders, als die Konkurrenz zwischen Deutschland, England unden Vereinigten Staaten urn die Samoainseln begann, Deutschland awGuinea und den Karolinen festen Fuß faßte (8 380) und die Vereinigt^Staaten die Hawaiinseln besetzten und die Philippinen nahmen (§ 391»Dazu kam die steigende Bedeutung Chinas und Japans. Welchestellung einmal der Stille Ozean einnehmen wird, läßt sich noch WÄsagen, doch können die Vereinigten Staaten, die schon durch diegraphische Lage vor den europäischen Mächten einen Vorrang haben, ^dem dort zur Herrschaft gelangten Imperialismus vielleicht die Vorher^schaft erlangen. Schon wurde im Senat zu Washington das Wortsprochen: „Der Stille Ozean ist unser Meer."
Als Mitbewerber um diese Vorherrschaft tritt auf das 1900 gegründet(winmonivtzaltli ot ^ustralia, der Australische Bundesstaat.
Unter den englischen Kolonien war, allerdings erst nach langen Kämpfen, ^Dominion ok Oanucku die „Selbstverwaltung (H 391) eingeräumt worden, doch fürchtman in England, daß deren Übertragung auf Australien die Loslösung von dem Mutterla»herbeiführen könnte. Auch in Australien selbst fand anfangs der Gedanke, die unabhäuSvoneinander entstandenen und unter recht verschiedenen Verhältnissen emporgekomnw'Teile zu einem Staatswesen zu vereinigen, keinen Anklang, wenn auch wichtige, wirtsw^liche Gesichtspunkte diesen Plan anrieten. Erst durch den Premierminister der KowNeu-Südwales, Mr. Neid, und durch die australische Geistlichkeit wurde ein Umschwungdiesen Verhältnissen herbeigeführt und bei einer Volksabstimmung über die Frage eiBundesverfassung sprach sich 1899 die Mehrheit für dieselbe aus. So suchten denn 1Südwales, Viktoria, Süd-Australien, Tasmanien und Oueensland bei dem engParlament um Genehmigung ihres Bundes nach, dem sich auch Westaustralien anst, ^Neu-Seeland blieb für sich allein, wie Neu-Fuudland Kanada gegenüber. ChamberlainAnerkennung des Bundes durch, und am 9. Juli 1900 wurde das betreffende Gese^der Königin vollzogen. Die Kolonien bilden nun einen geeinten Staat; Englandswird repräsentiert durch einen Generalgouverneur. Die eigentliche Regierung und ^gebung aber liegt in den Händen des aus Senat und Repräsentantenhaus gebildeten Bu»Parlaments. Ersterer wird aus Abgeordneten gebildet, die direkt vom Volke gewählt Nw* .Jeder Bundesstaat soll wenigstens fünf entsenden; den Maßstab für die Zahl bildet imdie Bevölkerungsziffer. Im Repräsentantenhaus ist jeder Staat durch doppelt sogeordnete, als er Senatoren stellt, vertreten. Doch machte der junge Staatenbund^
schwere Zeiten durch, da sich zahlreiche Stimmen gegen denselben erhoben. Indesstummten diese, als das Mutterland in dem Burenkriege die Hilfe Australiens in Änlp .,dnehmen mußte (Z 385). In der Regierung aber gewannen die sozialistischen Ideen die Oberyund die Neigung, den Einfluß anderer Mächte in der Südsee zu beschränken.