Band 
Vierter Band.
Seite
823
JPEG-Download
 

8 399.

Drittes Kapitel: Die Moderne (Literatur Deutschlands, Kunst Europas). 823

der Rächer seiner Ehre) geht zum Bildnis über und wird der Porträtmaler der Fürsten,^udwig Passini, Schüler von Führich und Kupelwieser, entwickelt sich neben PettenkoferZum bedeutenden Genremaler; er sucht sich seine Motive auf venetianischem Boden: Kürbis-verkäufer in Chioggia, Domherren im Chor, Messe in Chioggia, Badende Jungen in Vene-mg, Parisurteil. Unter den Radierern nimmt William Unger den ersten Rang ein.

Der fruchtbare Porträtlithograph Joseph Kriehuber hat die Tagesgrößen des Adels,Armee und der Geistlichkeit, der Gelehrten und Künstler in einem Bildniswerk vonÜOO Blättern der Nachwelt überliefert (Matinee bei Liszt, Ferdinand Raimund, Grillparzer,^auernfeld). Die Wiener Landschaft wurde zuerst durch Albert Zimmermann aus dem»sänne des Handwerksmäßigen gehoben (Sturm im Hochgebirge, Wien) und durch seinen Schüler^vnl Jakob Schindler bis zur Stimmungslandschaft im Sinne der französischenImpressionisten gefördert (Pappelallee, Kartoffelernte, Pax, nach einem Dalmatiner Motiv^ei S. Michele auf Lapad). Vor der Natur malte Theodor v. Hörmann, in jungenfahren gleichzeitig Zeichenlehrer und Fechtmeister, sein „Znaim im Winter" und die „Meeres-

L. Passini1832—1903

W. Ungergeb. 1837Kriehuber1801—1873

brand

soungen". Otto v. Thoren, von Hause aus Offizier, entwickelte sich in Brüssel und

Paris zum vorzüglichen Tier- und Landschaftsmaler (die Trennung). Die Poesie der Feld-lumen verstehen Tina Blau (die Witwe des Münchner Schlachten- und PferdemalersHeinrich Lang) und Olga Wisinger-Florian mit Geschick zu verkörpern. Die Kari-.. "V ist durch Franz und Gustav Gaul (Theaterleute) und Hans Schließmann vertreten, derWiener Typen in origineller schattenloser Technik eu niasos auf seinen Blättern vereinigt.

Der Führer der Wiener Sezessionisten ist Gustav Klimt (s. v. S.), der sich, von^ck, Beardsley (S. 832) und Khnopff (S. 808) berührt, in phantastischen Gebilden undEarbenshmphonien gefällt, die oft weniger sagen als empfinden lassen (Judith und Holo-wvnes, Goldfische, Fresken im Saale der Klinger-Beethoven-Ausstellung, die Sehnsucht derMenschheit nach Glück darstellend). Neben ihm schafft in kecker Technik Joseph EngelhartAder aus dem Wiener Volksleben: „Die Banda kommt", den „Pülcher", den Ball auf dervangstath hei, Oberonzyklus im Taussigschen Hause in der Schönbrunner Straße) und nachM ^ pariser und Sizilianer Aufenthalt pikante Chantantszenen und Sonnenstudicn. Karlvll, Schüler Schindlers, dem er ein Denkmal im Stadtpark errichtete, ist rastlos bemühtui die Vervollkommnung der Landschafts- und Genremalerei, die er mit den sonnigsten^^vrldern bereichert (Naschmarkt, In der Kirche, Ruine in Schönbrunn, Wien). HansNwaiger ist ein origineller Illustrator, der lange vor Sattler (S. 821), Zeitgenossenurers, Wiedertäufer und allerlei verschollene Gestalten der Sagen- und Märchenwelt in- ^m Holzhause in den mährischen Vorkarpaten wieder ans Licht förderte. Emil Orlik,dess" graphischen Künsten, vom Kupferstich bis zum japanischen Farbenholzschnitt,

due» .^kstellung er ini Lande der aufgehenden Sonne selbst gelernt hat, überrascht besondersstäin Obigen Lithographien und Studien in Genre, Landschaft und Bildnis (Klein-ter, Edinburger Ansichten), in Pastell, Gouache und Aquarell. Karl Mediz (die Eis-i , ""er) und Emilie Mediz-Pelikan (Terrassen mit Bäumen und Durchblick aufs Meer),?, M Dresden, malen treffliche, bis ins Kleinste durchgeführte Bildnisse und Landschaften.>>^"kich L efler und Joseph Urban schaffen gemeinsam Wandgemälde und farbenprächtige^urationen (zu Musüus' Büchern der Chronik« der drei Schwestern).

Aus Ungarn stammt der Pilotyschüler Julius Benczur, Freund und Schwager vonn h^sbl Max, namentlich Aufträge für König Ludwig den Zweiten ausführt (FamilieM gs des Sechzehnten, Ladislaus Hunyadis Abschied, Taufe Stephans des Ersten, imMuseum in Pest). Auch Michaly v. Munkäcsy (eigentlich Lieb) aus Munkäcz inaus ^ mn Jünger Pilotys, aber seiner und tiefer; er bildete sich unter Franz Adam (S. 814)und' ^^h Kuaus' Taschenspieler angeregt, zum Genre über, studierte in Paris (Courbet)M - ?uudete schließlich im religiösen Historienbilds (die letzten Tage eines Verurteilten, dieNfichwärmer, Eingesungene Strolche, Abschied des Rekruten, der Dorfheld, des Vaters

A. stiminer-mann1808-1888Schindler1842—1892

v. LvrmcmniStv-1891

v. Thoren1828—1889

T. Blaugeb. 184?Lang

1388—1891O. Wisinger-Floriangeb. 1844Schließinann1886-1888

Engelhartgeb. 1864

Mollgeb. 1861

Schwaigergeb. 1854

Orlikgeb. 1870

K. Medizgeb. 1868L eil ergeb. 1863I. Urbangeb. 1872Benczurgeb. 1844

1844-1890

Na Eingesungene L>trolcye, Avschlev oes Neu

Besuch bei der Wöchnerin, die beiden Familien, die Amme, Im Park,B> 4 o "uldnis, der sterbende Mozart sein Requiem dirigierend, Milton und seine Töchter,bor m^b^krug Ungarns durch Apad, für das Parlamentsgebüude in Budapest, ChristusG Pklatus, Golgatha, üoes bomo). Der Tscheche Vaclav Brozik, Schwiegersohn desin Kunsthändlers Charles Sedelmayr in Paris, malt bäuerliche Szenen aus Nordfrankreichackt Wanier von Bastien-Lepage <S. 826), daneben auch das Leben an den Höfen deswerb Jahrhunderts in minutiösester Ausführung: Böhmische Gesandtschaft zur Braut-tz— ^ am Hofe Karls des Vierten von Frankreich, Tu lslix ^ustria. nuds, Hnß vorBild °?!^l in Konstanz. Außer ihm kommt noch Jaroslav Czermak in Betracht, dessenizeiien* 0'° belgische Schule Gallaits (S. 224) verraten: Lomnicky auf der Präger Brücke, Volks-aus den südslawischen Ländern und Montenegro, wo er Gast des Fürsten Danilo

BrozikI8S1-I89g

I. Czermak1881—1878