Band 
Erster Band.
JPEG-Download
 

Allgemeines

§ 1. Der prähistorische Mensch. In der Entwicklungsgeschichteunseres Erdballs waren viele Jahrtausende vergangen, als der Menschzuerst auftrat. Woher er kam, wissen wir nicht. Wir finden ihn, soweitgegenwärtig die Beobachtung reicht, erst während der sogenannten Tertiär-zeit, genauer gesprochen in der wärmeren Zwischenperiode, die zwischendie beiden Eisperioden fiel (Jnterglacialzeit), in Deutschland undNordsrankreich. Diese Länder zeigten damals, als die ungeheuren Gletscherder Alpen und Skandinaviens zurückwichen, den Charakter einer polarenTier- und Pflanzenwelt, und hier wanderten die ersten Menschen Europas,soweit wir zu erkennen vermögen aus Asien, ein. Wie lange diese Ein-wanderung gedauert hat, ist uns unbekannt, denn wir können nichtZeiten in dem prähistorischen Helldunkel unterscheiden, sondern nur Kultur-schichten.

Die Kultur der interglacialen oder, wie man auch sagt, diluvialen (vor-sintflutlichen) Menschen war diederälterenSteinzeit (paläolithische Kultur). -z Palsöli-Jhre Geräte waren aus Feuerstein (Obsidian, Nephrit) hergestellt als Messer, ^Lanzenspitzen und Beile und wurden durch kunstvolles Schlagen in die ent-sprechende Form gebracht. In geringerer Menge wurden die Knochen der er-beuteten Jagdtiere zu ähnlichen Zwecken verwendet. Die Nahrung der Eiszeit-menschen bestand, soweit die Funde bei Taubach (s.ö. vonWeimar) und Schussenried(in Oberschwaben) lehren, aus dem Fleisch der erbeuteten Jagdtiere, deren Knochen,besonders um des Markes willen, ausgeschlagen wurden. Daneben verstandensie es, aus den Flüssen mit Angelhaken Fische zu fangen. Haustiere kanntendie Menschen jener Periode noch nicht; ebenso waren ihnen Ackerbau undTöpferei unbekannt. Ihre Kleidung bestand aus Fellen, die sie mit Flechtnadelnund Zwirn aus Renntiersehnen zusammenfügten.

Paläolithische Funde sind über die ganze Erde hin zahlreich gemacht worden. Eineder bekanntesten Fundstätten ist das Sommethal bei Abbeville im nördlichen Frankreich,doch giebt es deren auch in Südindien, in Nordamerika und den Pampas. Sie legendie Vermutung nahe, daß der Diluvialmensch auf seinen Zügen den großen Landsäugetierenjener Epoche gefolgt ist, jenen Zügen, die, soweit wir jetzt zu erkennen vermögen, von Hoch-asien aus nach allen Himmelsrichtungen gingen und somit die Verwandtschaft einerseits dereuropäischen Steinzeitmenschen und andererseits der Jndianerstämme mit dem mongolischenTypus der Menschen Mittelasiens erklären würden. Einen Schritt in die Höhe that dasMenschengeschlecht, als es begann, seine Wohnung in Höhlen und Felsklüften auf-zuschlagen. Die Werkzeuge vermehrten und verfeinerten sich; es treten die ersten Kunst-gegenstände unter den Höhlenfunden auf, Zeichnungen, die auf Steinen, Knochen undGeweihstücken eingeritzt sind. Ja sogar Kerbhölzer und eine Art von Bilderschrift haben sichvorgefunden. — Die ältere Steinzeit, die sich zuerst am Rande des ewigen Eises entwickelthatte, findet heute noch ihre Vertreter in den Eskimos und Feuerländern, früher in denWeber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. I. 1

FssMorZÜLMMv