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Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

s 64.

thaten. Zu der Natursymbolik trat eine tiefere, ethische Auffassung. Denndarin besteht die Bedeutung des hellenischen Volkes fiir die Geistesgeschichte derMenschheit, daß es den Dualismus von Natur und Geist, der dem Orientalenstets ein unlösbares Problem blieb, aufhob und beide in ein Verhältnis der Aus-söhnung setzte, daß bei ihm sinnliches und geistiges, inneres und äußeres Lebenin das schönste Gleichgewicht trat. Wenn sich die Semiten der Natur undSinnenwelt rückhaltlos Hingaben und ihr ganzes Sein unter ihr Machtgebotstellten, wenn der Inder die Natur in ihrer wechselnden Erscheinung nur alsein täuschendes Trugbild ohne Wirklichkeit und Wahrheit ansah und sein ganzesStreben nur auf das Göttliche und Bleibende hinter der Erscheinung richtete,das allein Bestand und Wert habe, so faßte der Grieche beide Richtungen zu-sammen und verlieh ihnen Maß und Schranke. Indem er sich der Naturmit offenem Sinne hingab, sich an ihrer Schönheit ergötzte und ihr mächtigesWalten ehrfurchtsvoll bewunderte, fühlte er doch zugleich in sich eine geistigeKraft, die ihn zum Herrn der Natur machte; er fühlte sich als sittliche, mitSelbstbewußtsein und Willensfreiheit begabte Persönlichkeit, deren Existenznicht an den Kreislauf des Naturlebens gefesselt sei. Und für diese beide Vor-stellungen in ihrer harmonischen Verbindung und in ihrem gegenseitigen Auf-einanderwirken schuf er sich ideale Gebilde in seinen Göttergestalten. DieGötter sind nicht bloß Naturmächte, sondern in dem Elementaren ist zugleichdas Geistige, in dem Sinnlichen das Sittliche begriffen. Darum wurden sieauch nicht bei fortschreitender Bildung durch eine wesenlose geistige Gedanken-schöpfung zurückgedrängt, sondern sie bildeten zu allen Zeiten den Kern undMittelpunkt der hellenischen Religions- und Sittenlehre, des Volksglaubens wieder mythologischen Systeme, des reichen Kultus wie der heitern, lebensfrohenKunst. Ihre große Zahl erklärt sich aus der Menge der griechischen Stämmeund der lokalen Kulte. Ein jedes Volk bildet sich seine Gottheiten nach seinemeigenen Bilde: wie glänzend tritt uns in den „Göttern Griechenlands" derGenius des hellenischen Volkes entgegen!

L. Die Lagen der Griechen.

8 64. Stammessagen. An die Vorstellungen der Hellenen von derolympischen und chthonischen Götterwelt reihen sich eine große Zahl vonMythen, die in großen Helden ebenfalls die göttlichen Naturgewaltenfeiern; sie stellen den kostbaren Bestand ihrer nationalen Sagen dar.i. Der Um verbreitesten warm die zahlreichen Mythen von Herakles (Herkules). Ursprünglichde/HeraNes in Böotien und Argos heimisch, wurden sie im Laufe der Zeit mit einer Menge fremderSagengebilde verwoben, indem die Griechen alle ähnlichen Göttergestalten, die sie im Verkehrmit den Phönikern (Melkart), Aegyptern und den keltogermanischen Stämmen kennen lernten,mit ihrem Herakles verschmolzen. Er ist der Sohn des Zeus und der Thebanerin Alkmeneund Stammhaupt der dorischen, thessalischen und makedonischen Königsgeschlechter. Durchden Neid der Hera zum Dienst bei Eurystheus, dem Könige von Mykenä, seinem Halb-Die zwölf brnder, verurteilt, mußte er auf dessen Geheiß die zwölf Arbeiten vollbringen: 1. die Er-legung des nemeischen Löwen, dessen abgezogene Haut ihm als Panzer, dessen Kopfals Helm diente. 2. Die Tötung der lernäischen Hydra, eines mehrköpfigen Ungeheuers,dem statt eines abgeschlagenen je zwei neue Häupter hervorwuchsen. 3. Die Erbeutungder Hirschkuh der Artemis, die er ein ganzes Jahr verfolgen mußte. 4. Die Reini-gung der Augiasställe, die seit 30 Jahren nicht besorgt worden war. Nur durchHindurchleiten des Alpheios gelang es, den ungeheuren Schmutz zu beseitigen. 5. DerFang des erhmanthischen Ebers, den er lebend zu Eurystheus trug. 6. Die Er-legung der stymphalischen Vogel, die sich von Menschen nährten. 7. Die Bezwin-gung des kretischen Stieres, des Vaters des Minotauros (Z 57). 8. Die Einfangungder dio metrischen Rosse, die sich ebenfalls von Menschenfleisch nährten- 9. Der Raubder Rinder des Geryones, die er aus Jberien herbeiholte und trotz des Raubversuchesdes Kakus heimbrachte. 10. Die Erbeutung der Hesperidcnüpfel, die er mit Hilfe