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Erster Band.
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Zweites Kapitel: Geschichte Griechenlands bis zu den Perserkriegen.

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s 72.

und gewöhnlich zwöls Städtegebiete umfaßten, so die ionische und äolische (Z 70). Ofthatte bei solchen Städtebündnissen ein mächtiges Glied die Vorherrschaft (Hegemonie)und war mit der Leitung der gemeinsamen Angelegenheiten und mit der Führung derKriege betraut. Bei der delphischen Amphiktionie fanden jährlich zwei Versammlungenstatt, im Frühling zu Delphi, im Herbste in den Thermopylen. Der eigentlicheZweck des Bundes ergiebt sich aus dem Amphiktioneneide: „keine der amphiktiontschen Städteje von Grund aus zu vertilgen, keiner jemals das Wasser abzuschneiden und das Heilig-tum des delphischen Gottes, an welches der Bund sich knüpfte, aus allen Kräften zu be-schützen", er war also ein „Gottesfriedensbund", der notdürftig den Satzungen des allgemeinenVölkerrechts Obhut verlieh. Messen, Zusammenlauf des Volks und für die Frühlings-versammlung die Pythischen Spiele belebten das nationale religiöse Fest.

Delphi bildete einen Priestersiaat ähnlich den orientalischen. Fünf gewählte Haupt- DelphischesPriester, aus alten, edlen Geschlechtern entsprossen, leiteten den Kultus und eine Anzahl °Tempelbeamte die übrigen Geschäfte. Der Tempel besaß ein großes, durch Zinsbauern undSklaven bebautes Gebiet: Weihgeschenke und Opfergaben brachten Reichtum, und der Zu-drang orakelsuchender Fremder machte Delphi zum Mittelpunkt des Verkehrs und zu einembesuchten Markt. Der große Tempel mit der Orakelstätte stand in einem mit einer Mauerumgebenen Hofraume; innerhalb dieses Hofes standen um jenen herum mehrere kleine Tempelund die Schatzhäufer der einzelnen Staaten mit den Weihgeschenken und vielen Statuen. ImInnersten des Tempels prangte die goldene Bildsäule Apollons, hinter der in einer kleinenVertiefung sich eine Höhle oder ein Erdschlund befand, aus dem Schwefeldämpfe empor-stiegen, die aufregen und in einen Zustand der Begeisterung versetzen sollten. Das Orakelin Delphi, das durch seine Aussprüche und Ratschläge alle wichtigen ltnternehmungen leitete,war die heilige Gottesgewalt, die in die Entwicklung des hellenischen Volkslebens mächtigeingriff. Sie bändigte die wilde Gewalt durch die Macht der Humanität, indem sieMenschenopfer, Faust- und Fchderecht, Blutrache und andere rohe Sitten hemmte, denAckerbau und die Künste des Friedens begünstigte, Bürgerzwist schlichtete, Kolonien leiteteund Religion und Sittlichkeit im öffentlichen Leben förderte.

Die ältesten und berühmtesten unter den Nationalfesten waren die olympischen National-Spiele, die alle vier Jahre in einer Ebene am Alpheios in Elis veranstaltet wurden, * °und während deren Dauer im heiligen Monat zur Sommerzeit ein allgemeiner Gottes-frieden waltete. Sie bestanden besonders in Wettlauf, Faustkampf, Ringen, Werfen mitdem Diskos (Wurfscheibe) und dem Speer und in Wagenrennen; der Kranz aus Ülzweigen,der dem Sieger gereicht wurde, galt für eine beneidenswerte Ehre, die nicht bloß denEmpfänger, sondern auch sein ganzes Geschlecht und seine Vaterstadt verherrlichte. In fest-lichem Zuge wurde der heimkehrende Sieger eingeholt und unter Preisgesüngen, die vonden angesehensten Dichtern, wie Pindar und Simonides (K 86), verfaßt waren, in denTempel des stadtschirmenden Gottes gesührt, wo das frohe Ereignis mit einem Dankopferund Freudenmahl gefeiert ward. Auch mit den Werken von Künstlern, Dichtern undSchriftstellern befaßte man sich bei diesen Nationalfesten. Soll doch nach einer verbreitetenSage Herodot, der Vater der Geschichte, einzelne Teile seines Werks bei einer großenOpferfeier vorgelesen und dadurch den größten aller griechischen Geschichtschreiber, Thuky-dides, zur Nacheiferung angeregt haben (H 118). Der Tempel des olympischen Zeusund die aus Gold und Elfenbein geformte Bildsäule des Gvtterkönigs von dem AthenerPheidias (H 102) gehörten zu den schönsten Werken griechischer Kunst. Der Ort, wo dieolympisch enSpiele gefeiert wurden, war eine Thalebene mit dem heiligen Hain A l t i s.

Das 600 Fuß lange Stadion, das Herakles mit seinem Fuße abgemessen haben sollte,diente zum Wettlauf, der Hippodrömos zum Wagenrennen mit dem Viergespann, eineMehrung der Spiele, die man später auf Pelops zurückführte. Der Ursprung der olympischenSpiele verliert sich ins graue Altertum. Anfangs nur aus die Umgebung von Pifa amAlpheios beschrankt, wurde seit dem Vertrag des Lyknrgos mit Jphitos von Elis dieOpfer- und Festgemeinschaft auch auf die Lakedümonier ausgedehnt, bis im Laufe der Zeitalle griechischen Stämme und Staaten eintraten. Mit dem Stege des Koröbos 776 v. Chr.begann die regelmäßige Aufzeichnung der Sieger; deshalb wurde in der Folge, als man dieZeit nach Olympiaden (von je vier Jahren) zu berechnen anfing, zeries Jahr als Anfangs-punkt dieser Zeitrechnung angesetzt (Z S1).

§ 72. Die epische Poesie (Heldendichtung) der Griechen. Die älteste Achtunggriechische Poesie, die die Hellenen selbst den thrakischen Sängern zu- Hymnenschrieben, hatte lediglich religiösen Inhalt: denn alle Poesie hat ihren Ursprungin der Religion. Ihr mythischer Vertreter war Orpheus (§ 87), der nach der