93. Drittes Kapitel: Von den Perserkriegcn bis zum Tode des Epaminondas. 203
„den Vorkämpfern der Hellenen, deren Macht die goldgeschmückten Mederin Staub gestreckt", und ein besonderes Ehrendenkmal für Mittiades,beides aus weißem Marmor; und der Dichter Pindar von Theben (Z 86)nannte Athen „den stützenden Pfeiler Griechenlands, die glänzende, diesangeswürdige Stadt". Am Tage nach der Schlacht kamen 2000 Lakedä-monier an, um den Athenern zu helfen. Sie besichtigten das Schlachtfeld,priesen die tapfere That und zogen dann wieder heim.
Miltiades, der Retter Griechenlands, genoß seines Ruhmes nichtlange. Ihm war es klar, daß Dareios die Scharte um jeden Preiswürde auswetzen wollen. Deshalb suchte er ihm zuvorzukommen und dieabgefallenen Bewohner der Khkladen mit den Athenern zu vereinigen.
Es gelang ihm auch an der Spitze einer stattlichen Flotte, die westlicheKykladenreihe auf die athenische Seite zu bringen. Die östlichen Khkladenaber hielten an Persien fest. Als nun ein Angriff aus die Insel Paros issmißlang, wurde er von Tanthippos aus dem Hause der Alkmeoniden,das damals eine persersreundliche Haltung angenommen zu haben scheint,angeklagt, daß er das Volk durch falsche Verheißungen betrogen habe.
Krank an einer Wunde, die er aus Paros erhalten und die sich entzündethatte, wurde der Sieger von Marathon auf einem Tragbett in die Gerichts-sitzung gebracht. Die Todesstrafe, aus die seine Gegner angetragen hatten,wurde nicht ausgesprochen; dagegen wurde er zur Erstattung der Kostenverurteilt. Aber ehe die unerschwingliche Summe von fünfzig Talenten(230000 Mk.) zusammengebracht werden konnte, starb er. Sein hoch-herziger Sohn Kimon bezahlte die Buße und ließ den ruhmgekröntenVater ehrenvoll bestatten.
Damit fiel der erste Versuch einer Offensivpolitik gegen Persien. Vor-läufig wurde sie auch nicht wieder aufgenommen; denn Athen hatte zunächstgenug > mit sich selbst zu thun. Gegen den Widerstand der Alkmeonidenwurde bestimmt, daß das Archontenamt unter 500 vorgeschlagenen Kandi- «?/8daten verlost werden sollte (H 80). Damit war das thatsächliche Privilegder großen Familien gebrochen, und deren Häupter mußten, durch dendamals zuerst angewendeten Ostrakismos (Z 85) verbannt, in das Exilgehen. Die Urheber dieser eingreifenden Verfassungsänderung waren zweiMänner von seltenen Eigenschaften, Aristeides, dessen Uneigennützigkeit so AriMdesallgemein anerkannt war, daß man ihn den Gerechten nannte, undThemistokles, ein hochbegabter, ruhmbegieriger Staatsmann, dem desMiltiades Siegeszeichen den Schlaf raubten. Beide waren tapfere Marathon-kämpfer ; beide suchten ihr Vaterland groß zu machen, aber auf verschiedenenWegen. Aristeides willigte in keine Maßregel, die seinem Gewissen be-denklich vorkam, und erblickte das Heil des Staates in der grundbesitzendenBevölkerung und in dem daraus gebildeten Landheer. Themistokles warThemistouesweniger gewissenhaft; er nahm zur Erreichung seiner Zwecke auch mitunterzu List und Betrug seine Zuflucht. Klüger und talentvoller als Aristeides,gewann Themistokles bald größeres Ansehen beim Volke. Er hatte ein-gesehen, daß Athens Heil auf dem Meere liege. Das Volk brachte er dadurchauf seine Seite, daß ein schmachvoller Kampf mit Aegina die von den EAristokraten geführte attische Seemacht lahm gelegt hatte, und daß derAusgleich dieser Schande notwendig erschien. Die Flottenverstärkung wurdedurchgesetzt, und dazu sollten die Einkünfte der reichen Silberbergwerke inLaurion verwendet werden. Dagegen erhob sich starke Opposition, geführt