H 125. Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr.). 269
stand, bis die Drohungen Persiens die Athener von weiteren Eroberungs-versuchen abschreckten. Sie verzichteten auf ihre Seeherrschaft und trugendadurch noch mehr dazu bei, daß das nunmehr aus lauter freien Republikenbestehende Griechenland einem „zerrissenen Körper" glich und alle Staatensich in einem solchen Zustand der Schwäche befanden, daß keiner mehrAnspruch auf die Hegemonie erheben konnte. Aber auch die zweite Garantie-macht des Königsfriedens, Persien, sollte schwere Krisen durchmachen.Ägypten hatte sich wieder losgerissen und wehrte sich in fünfzehnjährigemKampfe (§ 34) gegen die persischen Satrapen. Glückliche Ausstände ver-leiteten auch die Herren der vorderasiatischen Provinzen, sich frei zumachen, und die griechischen Republiken, sich ihnen anzuschließen, um ihrenAnteil an der leicht zu gewinnenden Beute zu erhäschen. Sogar dergreise König Agesilaos sehte mit einer Heeresabteilung nach Ägypten überund nahm an den Wirren (Z 34,122) dieser aufrührerischen Provinz Anteil.Dort fand er auch sein Ende; an der Spitze eines abwärts gleitenden »soStaates mußte er trotz hervorragender Regenteneigenschasten es erleben,daß das, was er that, ihm und seinem Volke zum Unheil ausschlug.
So war denn für Hellas der Augenblick gekommen, wo im heillosenKampfe aller gegen alle jeder gemeinschaftliche Staat, der über die Grenzender Kantone hinausging, unmöglich erschien. Alle Regierungsformenwaren versucht worden, die besten einheimischen Kräfte hatte das hoch-gebildete Volk nutzlos verbraucht, den nationalen Staat hatten sie nichterreichen können. Da sollte den Hellenen Hilfe von da kommen, vonWannen sie es nie gedacht hätten, von dem in jugendkrästiger Machtfülleerhaltenen erblichen Königtum im Norden und von dessen genialem Ver-treter, dem König Philipp.
Viertes Kapitel.
Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr.).
F. Philipp von Makedonien (35H—336).
§ 125. Ausblick. Geschichte Makedoniens bis auf Philipp. Das
makedonische Königtum war bestimmt, Griechenland zum Sieg über denOrient zu führen. Schon nach Salamis und Himera setzt ja das Vor-dringen Europas nach Asien ein, aber erst jetzt wird ein voller Erfolgerrungen. Ihn ergänzen dann die Römer durch ihren Sieg über Karthago,ihn nehmen sie im Osten als Erben der Griechen auf; er wird mit ge-wisser Einschränkung (Parther, Neuperser) behauptet, bis Asien im Islamsich zu neuem Ansturm ermannt (II, Z 1).
Der beispiellose Erfolg der Makedonier hatte zur Voraussetzung,daß der Occident mit vereinter Kraft vordringen konnte und keineheimischen Widersacher den Vorkämpfern für Europa in den Rücken fielen. ErfolgsDiese Forderung erfüllte Philipp dadurch, daß er faktisch den griechischenEinheitsstaat schuf. Dadurch war gegeben, daß der Gegner mit aus-reichenden und geeigneten Kräften angegriffen ward. Der themistokleischeGedanke der griechischen Seeherrschast ward von neuem ausgenommen,diesmal jedoch verknüpft mit der von den Doriern ausgebildeten Wehr-