042 , Drittes Buch: Römische Geschichte. H 249.
dem Bruder des Ministers Pallas (Z 246), immer schlechter wurde. Amhärtesten war der Druck unter dem von Nero eingesetzten LandpflegerGessius Florus, der Habgier mit Grausamkeit verband und die Judenso lange reizte, bis sie, geleitet von der nationalen Freiheitspartei derEiferer („Zeloten"), Wider ihre Dränger aufstanden und die Römer zum«e Abzug aus Jerusalem zwangen. Aber die Strafe folgte bald. .Währenddie Sieger in der Hauptstadt eine Herrschaft des Schreckens errichteten,die Gegenpartei der Gemäßigten blutig verfolgten und die römischenGefangenen treulos mordeten, überzog Vespasian von Ptolemais aus miteinem großen Kriegsheer das jüdische Land. Mit dem Mute der Verzweiflungkämpfte das irregeleitete, durch innere Zwietracht zerrissene Volk gegen die^uMnd unter Vespasian anrückenden Legionen, mußte sich aber nach Erstürmungs? der von Josephus, einem Abkömmling des erlauchten Stammes derHasmonäer (Z 149), tapfer verteidigten Bergfeste Jotapata und nach einerfurchtbaren Niederlage auf die Verteidigung der Hauptstadt beschränken, dienunmehr, nach Vefpastans Erhebung auf den Kaiserthron, von dessen SohnTitus belagert wurde. In der von Menschen überfüllten Stadt entstandbald die gräßlichste Hungersnot, die in Verbindung mit Seuchen undselbstzerfleischender Parteiraserei Tausende ins Grab stürzte. Umsonst botder menschenfreundliche Feldherr Gnade: das blinde Vertrauen auf JehovahAAaums trieb die Juden zum Vernichtungskrieg. Vom hochgelegenen Tempel ausAug. w verteidigten sie sich mit Todesverachtung, bis nach Eroberung der Stadtdas Prachtgebäude in Flammen aufging und der Tod in jeglicher Gestaltunter den Besiegten wütete. Dann folgte die gänzliche Zerstörung2 . S-pt. wJerusalems. 11000 Juden starben freiwillig oder gezwungen denHungertod; die Überlebenden wurden teils gefesselt in die ägyptischenSteingruben geschickt, teils zum schmachvollen Fechterdienst ausersehen unddie ganze Jugend unter siebzehn Jahren zu dem schrecklichen Lose derSklaverei verdammt. Über eine Million Menschen soll der fünfjährigeVertilgungskrieg verschlungen haben. Unter den Gefangenen, die demTriumphwagen der Sieger folgten, befand sich der jüdische Geschichts-schreiber dieses Kriegs, Josephus, der seine schriftstellerischen Gaben undseine Kenntnis der griechisch-römischen Bildung zur Schilderung der Thatenund Geschicke seines Volkes benutzte. Noch jetzt zeigt der Triumphbogendes Titus auf dem Forum in Rom die Abbildung jüdischer Heiligtümer(so des siebenarmigen Leuchters sß 43j), die damals in die Weltstadtwandern mußten, und die Scheu der in Rom wohnenden Juden, unterdiesem Bogen durchzugehen, giebt Zeugnis von dem tiefen Groll, der sichvon Geschlecht zu Geschlecht fortgeerbt hat.
Britannien Das dritte Land, in dem Vespasian zu kämpfen hatte, ist Britanniengewesen. Aus der seit Cäsars Landung (8 227) bekannten Insel waren zuerstunter Claudius einige Eroberungen gemacht worden; da aber die Römersi die Einwohner mit Härte behandelten, so erhoben sich zu Neros Zeiten dieBriten unter der heldenmütigen Königin Boudicca (Boadicea), drängten,von den Priestern angefeuert, die Römer unter blutigen Gefechten an dieMeeresküste zurück, erlagen jedoch zuletzt in einer großen Schlacht derrömischen Kriegskunst und dem Feldherrntalent des Suetonius Paullinus.Verzweiflungsvoll gab sich Boudicca selbst den Tod; die Priester wurdenerschlagen, die Altäre gestürzt, die heiligen Haine umgehauen. UnterVespasian und seinem Sohne Titus gelang es sodann dem hochherzigen