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Drittes Buch: Römische Geschichte.
Z 260.
Römerreich begründet hatte und tapfer gegen die Perser verteidigte. AlsGallienus sogar in Italien nicht mehr Ordnung zu halten vermochte,empörten sich in Verona seine Stabsoffiziere gegen ihn. Der Kaiser, derihnen entgegen rückte, starb eines gewaltsamen Todes, und der wahr-ClaEusn-scheinliche Urheber des Mordes, M. Aurelius Claudius, bestieg denThron. Die erste Aufgabe, die ihm oblag, war, zu verhindern, daß diegermanischen Barbaren sich dauernd im römischen Reiche ansiedelten.2«8 Tapfer, abgehärtet und einfach, besiegte Claudius die Alamannen amWs Gardasee, stritt mit Glück gegen die Goten bei Naissus (Nisch) inObermösien und erhielt den ehrenden, wohlverdienten Beinamen Goticus,starb aber kurze Zeit darauf zu Sirmium an der Lagerpest.
Nunmehr riefen die Truppen den kriegskundigen Feldherrn L. Domitius2 ?»^L 7 s Aurelianus (geb. 214), einen Pannonier von hervorragender Tugendund Tapferkeit, zum Kaiser aus. Zunächst wandte sich der neue KaiserG^manen gegen die Juthungen, die in Pannonien eingedrungen waren, und nötigtesie zum Abzüge, begnügte sich aber damit, die Donaugrenze festzuhalten.27s Die schon seit Balerian unhaltbar gewordene Provinz Dacien gab erauf: damit aber der stolze Name bliebe, versetzte er die römische Be-völkerung nach Obermösien und nannte diese Provinz von nun an llser-dacien (jetzt Bulgarien und Serbien). Dann zog er gegen die in Italieneingedrungenen Alamannen und schlug sie am Metaurus und bei Pavia.Aus diesem Einfall der Deutschen in Italien ergab sich die Notwendigkeit,Rom zu befestigen, und so ließ denn Aurelian die bekannte nach ihm be-nannte Mauer erbauen, ein noch heute erhaltenes Festungswerk von derallergrößten Bedeutung. — Endlich stellte er die Reichseinheit wieder her.Er überwand den Imperator von Gallien, Tetricus, und sicherte dasEroberung Ulpeyland; dann rückte er gegen das palmhrenische Königreich,Palmyra tvo nach Odänaths Ermordung feine geistreiche, schöne und heldenmütigeGemahlin Zenobia herrschte, und stellte durch Zerstörung der aus einerOase der syrischen Wüste gelegenen Palmeustadt Palmyra die Ostgrenzewieder her. Zenobia, die Königin dieses durch Künste, Wissenschaft undHandel blühenden Reichs, zierte in goldenen Ketten den Triumph desKaisers, indes ihr Lehrerund Ratgeber, der wackere Philosoph Longinus(ß 270), mit dem Leben büßte. Noch jetzt fesseln die Ruinen von Palmyra,inmitten der quell- und baumlosen Sandsteppe, zwischen dem syrischenGebirgszug und den Niederungen des Euphrat und Tigris die Phantasie derReisenden. — Aurelian war einer der besten Kaiser des dritten Jahr-hunderts; aber es gelang ihm weder beim Volke, das unter starkemSteuerdrücke seufzte, noch bei seinen Soldaten, die er in strenger Zuchthielt, herzliche Sympathie zu gewinnen. So ward er das Opfer einerschändlichen Intrigue; seine von ihm, wie sie meinten, mit dem Tode be-drohten Offiziere erschlugen ihn, um sich selbst zu retten.
Das pa!- Auf der seit Trajan zum römischen Reiche gehörenden und durch Aurelian wieder ge-"^Rsich^b wonnenen Oase Palmyra bestand von Salomos (Z 47) Zeiten her eme Stadt (Tadmor), dieals Hauptplatz für den Karawanenhandel zwischen dem persischen Busen und dem Mittel-meere diente. Sie hatte unter den Selenkiden (H 146) griechische Kultur angenommen und warvon griechischen Baumeistern mit prachtvollen Tempeln und anderen Gebäuden geschmücktworden: auch Hadrian hatte ihr sein Kunstinteresse zugewendet. Durch die Familie der267—278 Odänathe, vor allem durch Zenobia, „die Königin des Morgenlandes", die „zweite Se-miramis", die sich rühmte, von den Ptolemaern abzustammen, wurde orientalisches, grie-chisches und römisches Wesen zu einem eigentümlichen Ganzen verbunden; sie selbst ver-einigte in ihrer Kleidung und Lebensweise die verschiedenen Elemente. Als sie im Begriff