Überschau und Vorblick.
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Indem es nun zugleich als Vorkämpfer des bedrohten Katholizismus auf-trat, konnte es den Versuch machen, eine Vorherrschaft in Europazu begründen, die nicht das mittelalterliche Kaisertum war, aber dochdaran anknüpfte. Es ist ein bemerkenswertes Zeichen für die Macht ge-schichtlicher Ideen, daß es sich auf die beiden bedeutendsten derim Gegensatz zu dem alten Kaisertum entstandenen Bil-dungen (der peripherischen Nationalstaaten und der deutschen Territorial-staaten sll, tz 274s) stützte und doch den alten Kaisergedankenwieder aufnahm.
Gegen diese Vorherrschaft eines auf eine übergroße Hausmacht ge- KnsStze-stützten katholischen Kaisertums lehnte sich außer dem Protestantismus i. Habs bürg-vor allem das zu einem starken Nationalstaat gewordene (II, Z 347 ff.) "Frankreich auf. So ergibt sich ein auf Jahrhunderte hinaus die euro-päische Geschichte beherrschender Gegensatz zwischen Frankreichund der Habsburgischen Weltmacht: Frankreich verteidigte seineGroßmachtstellung, vertrat aber zugleich den Gedanken der selbständigenEntwicklung der einzelnen Völker, man könnte also sagen, den Gedankendes nationalen Individualismus.
Der zweite große Gegensatz der Zeit ist der zwischen Habsburg^^bsburg-und der Türkei. Den Türken war es sa gelungen, das byzantinischeReich zu erobern und darüber hinaus Ungarn untertänig zu machen: sostieß hier und in Nordasrika der „Großtürke" auf habsburgische Interessen(II, 8 384). Damit mußte das Haus Habsburg den alten Gegensatzzwischen Europa und Asien (II, Z 1) übernehmen. Die mittelalterlicheEinheit der Christenheit dem Islam gegenüber war aber dabei schon soweit gelöst, daß das allerchristlichste Frankreich sogar ein Bündnis mitder Türkei gegen den gemeinsamen Feind einging.
Für das Deutsche Reich hat die Weltpolitik seines Kaisers und dessen ^forma-Gegnerschaft gegen die Reformation die Folge gehabt, daß das Landes- 'Ät-ntumfürstentum immer mehr erstarkte und zu der staatlichen Zersplitterung"'noch die kirchliche Spaltung trat, das Reich als Machtfaktor alsoweiter zurückging. InEngland und den skandinavischenStaatenhat umgekehrt die von der Krone durchgeführte Reformation eine Stär-kung des nationalen Staates bewirkt.
Im Innern der abendländischen Staaten erlag währenddem dasLehnsw-immittelalterliche Lehnswesen immer mehr. Der wirtschaftliche"" t»m "'Niedergang der Ritter, der schon im 13. Jahrhundert begonnen hatte(II, Z 298), setzte sich fort, zumal die Städte durch die geldwirtschaftlicheEntwicklung weiter aufblühten; auch die durch das Aufkommen der Fuß-truppen schon geschwächte kriegerische Leistungsfähigkeit der Ritter verlordurch immer stärkere Verwendung der Feuerwaffen ihre Bedeutung: aufden Trümmern des Lehnswesens erhob sich das Fürstentum.
Blicken wir endlich aus die mohammedanische Welt, so vollzog sichauch hier eine bedeutsame Wandlung. Während Westasien im Osmanischen AsienReiche kraftvoll zusammengefaßt wurde und bis nach Ungarn ausgriff,und der Islam mit der Reichsgründung des Großmoguls zugleich amweitesten nach Indien vordrang, machte sich inmitten dieser beiden sunni-tischen Staaten das schiitische P ersien endgültig von der seit dem Endeder Sassaniden ertragenen Fremdherrschaft frei. Man könnte das inParallele setzen mit der Erhebung des reformatorischen Deutschland gegen
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