Erstes Kapitel: Die großen Entdeckungen.
9
8 6.
Einwände zu verteidigen; er suchte die Königin auch dadurch zu gewinnen,daß er sein Unternehmen als ein religiöses, der Ausbreitung des Christen-tums dienendes bezeichnete; aber Jsabella war damals vollauf mit demMaurenkrieg beschäftigt, auch mochte Kolumbus manchem als Schwärmerund Abenteurer erscheinen. Verzweifelnd wollteer sich nach Frankreich wenden:da trat der entscheidende Umschwung ein. Auf der Wanderung zum Ein-schiffungshafen kam er mit seinem Sohne Diego völlig erschöpft zu demFranziskanerkloster la Rabida. Er fand bei den Mönchen nicht nurfreundliche Ausnahme, sondern auch Interesse für sein Unternehmen; manhielt ihn im Kloster fest und vermittelte bei Jsabella. Günstig war, daßdamals der Maurenkrieg zu Ende ging: in der Freude ihres Herzens überdie Eroberung Granadas (II, Z 341) versprach die Königin im Vertrage von n.ApruiESanta Fö, drei Schiffe für den kühnen Seefahrer auszurüsten und seinehochgespannten Forderungen zu bewilligen. Die Würde eines Großadmiralsund Unterkönigs über alle zu entdeckenden Länder und Inseln nebst demzehnten Teil der daraus zu hoffenden Einkünfte und der Adelstand mitdem Prädikat Don, alles erblich auch für seine Nachkommen, wurde ihmals Preis des Gelingens zugesagt.
8 6. Die erste Reise des Kolumbus. Am 3. August verließ die Erst- R-n-kleine Flotte, bestehend aus der „Santa Maria", der „Pinta" und „Nina"mit neunzig Seeleuten, darunter drei Brüdern aus der erfahrenen Schiffer-familie Pinzon, den andalusischen Hafen Palos und fuhr nach den iEKanarischen Inseln, wo die Ausbesserung eines der Schiffe einen vier-wöchentlichen Aufenthalt verursachte, und dann in westlicher Richtungweiter; als Seekarte führte Kolumbus mit sich die Karte Toscanellisund suchte nach ihr Antiglia und Zipangu.
Es ist eine bekannte, in Sage und Dichtung verbreitete Erzählung, daß die Schiffs-mannschaft eine Verschwörung gemacht habe, um den Admiral zur Rückkehr zu zwingen,ja, daß sein Leben bedroht worden sei; neuere Forscher haben nachgewiesen, daß diese Meutereiund das erzwungene Versprechen des Entdeckers, wonach er umkehren wolle, wenn sichnicht binnen drei Tagen Land zeige, nur eine der Entstellungen ist, welche großartige Welt-begebenheiten vom zweiten Geschlecht zu erdulden haben. Die natürlichen Befürchtungenund gespannten Erwartungen der aufgeregten Seeleute wurden zu drohenden Auftrittengesteigert, die dann durch die Tradition sich fortpflanzten. Daß sich die zwischen Furchtund Hoffnung wechselnden Gefühle der Matrosen auf verschiedene Weise äußerten, und daßhie und da auch Anzeichen von Widersetzlichkeit gegen die Weiterfahrt in die Meereseinödelaut geworden sein mögen, ist sehr natürlich, aber das feste Auftreten des Admirals warhinreichend, die Murrenden 'um Schweigen zu bringen. Da jedem, welcher zuerst Landerblicken würde, eine Leibrente von 10000 Maravedis etwa 260 Mark) zugesagt war,so wurden mehrmals voreilig Landsiguale gegeben; um die dadurch erzeugte Aufregung zuverhüten, ließ Kolumbus verkünden, daß fortan jeder, der durch falschen Landruf ungegründeteErwartungen errege, seinen Anspruch auf den Finderpreis verliere.
In den ersten Tagen des Oktober mehrten sich die Anzeichen, daß LandungLand in der Nähe sein müsse. Züge von kleinen bunten Vögeln schwärmtenum die Schiffe, grüne Gewächse vom Lande gelöst trieben auf dem Wasser;ein Rohr, ein kleines Brett, ein künstlich geschnitzter Stab wurden aufgefischt.
Am 11. Oktober glaubte der spähende Admiral in der klaren Herbstnachtein sich bewegendes Licht zu bemerken. Er empfahl daher der Mannschaftbesondere Wachsamkeit, indem er dem ersten Rufer zu dem Gnadengeschenkder Monarchen noch ein seidenes Wams versprach. Um zwei Uhr in derFrühe, Freitag den 12. Oktober, entdeckte ein Matrose der Pinta, Juan iL.Ltt. 1 w 2Rodriguez Bermeso (oder Rodriguez de Triana), im Mondenglanz den