Band 
Dritter Band.
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28 Erstes Buch: Das Zeitalter der Entdeckungen und der Reformation. Z 16.

und Literatur wieder eröffneten; die Vereinigungsversuche der römischen undgriechischen Kirche auf dem 1438 in Ferrara eröffneten und 1439 nach Florenzverlegten Unionskonzil (II, Z 313) und die Eroberung Konstantinopels durchi4ss die Türken (II, ß 379, 383) führten griechische Gelehrte nach Italien undwaren so für die literarische Verbindung zwischen Morgen- und Abendland vonsegensreichen Folgen.

Ä*Huma-" Bald war die humanistische Bildung ein hochgeschätztes Gut, das zu An-nismus sehen und Ehre führte; bald wetteiferten die Fürstenhöfe und die Stadtrepublikenum den Ruhm, die Künste und Wissenschaften zu hegen und zu fördern unddem freien Geschlecht der Humanisten eine Heimat zu bieten. Vor allem warIlss^iE Florenz unter den Mediceern Cosimo und Lorenzo dem Prächtigen derSitz der neuen Bildung und Kunst (II, Z 325); in der platonischen Aka-demie (II, tz 330) vereinigten sich die edelsten Geister in wissenschaftlichemFreundeskreise. Platos Name im Gegensatz zur aristotelisch-scholastischen Philo-sophie des Mittelalters wurde das Banner, um das man sich scharte; aber auchalle andern Bildungselemente der Zeit fanden in Florenz Aufnahme. Hier lehrtet 1452 als erster in Italien Gemistos Plethon platonische Philosophie, hier weiltei-i4?L vorübergehend Kardinal Bessarion, der glühende Verehrer und Verteidiger4i4sg Platos, hier übersetzte MarsiliusFicinus Platos Werke in elegantes Latein,t- 1494 hier trieb der vielseitige und tiefsinnige Pico vonMirandola auch hebräischeStudien und suchte platonische und kabbalistische (II, § 184) Lehren zu ver-t 1459 schmelzen, hier lebte lange Zeit Poggio, der Verfasser einer florentinischenGeschichte und der mit lästerndem Witz getränkten Facetien, hier verwandte1 - i48i Niccolo Niccoli sein ganzes Vermögen auf die Sammlung von 800 Büchern,t i48i Aber auch in Mailand, wo der charakterlose, eitle und unterwürfige Filelfoden Sforzas schmeichelte, in Venedig, das von Bessarion seine 600 Bände starkes i44o Bibliothek geschenkt erhielt, in Mantua, wo der treffliche Vittorino seinet 145? weitbcrühmte Erziehungsanstalt errichtete, in Neapel, wo Lorenzo Valladas Mönchtum als widernatürlich angriff und die Unechtheit der konstantinischenSchenkung (II, Z 47) nachwies, und in Rom entfaltete sich ein reges literari-sches Treiben. In Rom (II, § 323) gelangte die Renaissance zur Herrschaft1447-1455 durch Papst Nikolaus V., der dem humanistischen Treiben in Florenz nahegestanden und in Cosimo Medici das Ideal eines Kunstmäcens gesehen hatte.Unter ihm glich Rom einem einzigen Bauplatz und zugleich einer großen Schreib-stube. Mit wahrer Leidenschaft ließ er Bücher suchen, abschreiben und übersetzenund scheute dabei keine Kosten, bot z. B. für eine vollständige Homerübersetzung10 000 Goldgulden: so ist er der eigentliche Gründer der berühmten vatikani-schen Bibliothek geworden. Natürlich fanden die Humanisten bei ihm guteAufnahme: hatte Poggio in päpstlichem Dienste Pfaffen und Mönche verhöhnendürfen, so wurde Valla nach Rom gerufen trotz seiner Angriffe auf die konstan-I45S-I484 tinische Schenkung und die weltliche Papstherrschaft. Mit Pius II. (Enea SilvioPiccolomini) bestieg dann ein echter Zögling der Renaissance den päpstlichenStuhl, ein hochgebildeter Humanist, der auch selbst als Dichter und Schriftsteller1464—im tätig war. Paul II. war zwar den Humanisten nicht ganz so geneigt; das be-einträchtigte aber den Sieg des neuen Geistes nicht, wie schon die nur vor-ti4g8 übergehend gestörte sogenannte römische Akademie (unter Pomponio Leto) be-weist ; freilich konnte unter ihm und den folgenden Päpsten Rom mit dem Florenz1503- i5is Lorenzos nicht wetteifern, bis Julius II. der Kunst Michelangelos große Auf-I5i8-i52i gaben stellte und des großen Lorenzo Sohn, Leo X., den Mäcenatensinn seinerFamilie nach Rom mitbrachte. Durch sie wurde die ewige Stadt zum eigent-lichen Sitze der Renaissance erhoben und ein goldenes Zeitalter für Kunst undWissenschaft geschaffen (Z 99 ff.); es dauerte, bis die Einnahme Roms 1527(ß 42) dem fröhlichen Treiben ein schreckliches Ende bereitete. — Die Ver-breitung der humanistischen Studien förderten auch die berühmten Klassiker-ausgaben der Aldinischen (des Aldus Manutius) Buchdruckerei in