32 Erstes Buch: Das Zeitalter der Entdeckungen und der Reformation. Z 19.
leichterung des schriftlichen und persönlichen Verkehrs den Austausch derIdeen und wirkte zur Begründung der neuen Zeit mit.
Angeblich- Nationaler und städtischer Patriotismus haben versucht, Gutenberg die Ehre der Er-" ° findung streitig zu machen; wir können auf die Einzelheiten der Gutenbergfrage hiernatürlich nicht eingehen, wollen aber wenigstens die hauptsächlichsten MitbewerberGutenbergs nennen. Mit besonderer Lebhaftigkeit sind die Holländer für LaurensJanszoon Coft er aus Haarlem eingetreten und haben ihm sogar 1856 in dieser Stadtein Denkmal errichtet; er soll die beweglichen Lettern bei einer Spielerei erfunden haben,durch ungetreue Gesellen seien die Typen dann nach Mainz entwendet worden. An dieserCosterlegende suchten die Holländer mit patriotischem Stolz festzuhalten; jetzt ist sie gründ-lich zerstört. Auch die Italiener haben einen angeblichen Erfinder Castaldi durch ein Denk-mal in seiner Vaterstadt Feltre geehrt, doch ist diese Fabel noch viel weniger ernst zu nehmenals die Haarlemer. Unberechtigt sind auch die Ansprüche Straßburgs, die sich entweder dar-auf gründen, daß Gutenberg schon hier seine Kunst geübt habe, oder Johann Mentel alsStraßburger Erfinder bezeichnen; auch Bamberg muß auf den Ruhm verzichten, inAlbrecht Pfister wenigstens einen Miterfinder sein eigen zu nennen; und der oben erwähnteSchöffer hat keinen Anspruch auf die Ehre, die Kunst durch Erfindung der gegossenenLettern an Stelle der in Holz geschnittenen, die danach Gutenberg angewandt hätte, erstbrauchbar gemacht zu haben. Von den Franzosen wird neuerdings behauptet, daß schon1444 eine Druckerei in Avignon nachzuweisen sei, die einem gewissen Waldfoghel gehört habe,doch hat dieser Wohl bei Gutenberg gelernt. Aus solchen Ansprüchen ersieht man, welchenWert man bald.überall der neuen Kunst beilegte.
Schulen ß 19. Der deutsche Humanismus. Von größtem Einfluß war der deutscheHumanismus auf den Unterricht; er fand hier einen Anknüpfungspunkt anden der Scholastik entgegengesetzten mystisch-religiösen Bestrebungen, wie sie z. B.die Brüderschaft des gemeinsamen Lebens (II, Z 305) in den Niederlandenvertrat. So wurde die Schule zu Deventer unter Leitung des Alexan-4ii98 der Hegius eine berühmte Pflanzstätte des Humanismus, aus der unterandern Erasmus, Hermann von Busch, Mutian hervorgingen. Aus der großenZahl der übrigen humanistischen Schulen ragen als besonders einflußreich hervorHE die in Schlettstadt, deren erster Leiter Ludwig Dringenberg war, und4 Isis die in Münster, wo Rudolf von Langen trotz mancher Gegnerschaft dem neuenGeiste zum Siege verhalf. Ohne feste Lehrtätigkeit wirkte in derselben Richtung4 1185 mit größtem Erfolg Rudolf Agricola. — Auch in die Universitäten, derenZahl seit der Gründung von Prag (1348) schnell gewachsen war (II, Z 292),fand der Humanismus Eingang. Nach der bisherigen Ordnung bereitete diephilosophische oder Artisten-Fakultät nur auf das Studium der Theologie, Juris-prudenz und Medizin vor: jetzt sollte sie diesen gleichgestellt, ja der Mittelpunktder Universität werden. Zugleich eröffneten die Anhänger des Altertums einenerfolgreichen Kampf gegen die Scholastik. In Tübingen sammelte Heinrich4 wie Bebel, der streitbare Verfechter der humanistischen Studien, eine große Studenten-schar um sich, in Basel siegte der neue Geist, Wittenberg wurde gleich für ihn4 1 SS 1 gegründet, in Köln stieß die Partei der Neuerer unter Hermann von Buschscharf auf die Anhänger des Alten, deren Haupt Ortwin Gratius trotz frühererhumanistischer Neigungen wurde. In Erfurt wirkte eine geistesfrische, kampfes-frohe Schar von Humanisten; zu ihnen gehörten Ulrich von Hütten, derSatiriker Crotus Rubeanus, der witzige Epigrammatiker Euricius4151» Cordus und der elegante Poet und heitere Gesellschafter EobanusHessus;4 i5W als ihr Oberhaupt verehrten sie den feingebildeten Konrad MutianusRufus,Kanonikus im benachbarten Gotha.
3" ähnlicher geistiger Genossenschaft wie hier bildeten sich auch sonst ge-lehrte Gesellschaften zur Pflege des Humanismus, so die Donau-gesellschaft, die in engster Beziehung zur Wiener Universität stand, dierheinische und die Straßburger Gesellschaft. Die letztere ist gegründet41528 von Jakob Wimpfeling, dem vielseitigen, streitfertigen Gelehrten aus Schlett-stadt, der an der bedrohten Grenzmark als Wächter und Vorkämpfer deutschen