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Drittes Kapitel: Die Anfänge der Reformation.
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Sendschreiben rief er von hier ans den Kaiser, die Fürsten, das Volk zum Fr-iMs^gegen Rom auf und bediente sich dabei neben dem Latein auch der deutschen Volkssprach.
Hinher gehört besonders die „Klag und Vermahnung wider die übermäßige, unchristlich
Gewalt des Papstes', die zu der Zeit erschien, als der Reichstag ö" W°rms 8 ^Re
Gemüter in Aufregung hielt. Durch diese Schriften wie durch fein
der aus einem tief leidenschaftlichen Gemüte stammt und '
die Freiheit und die nationale Einheit in kirchlicher und politischer Hsch s
walt erkämpft werden; die unruhigen Bewegungen, die sich hfer und d ^ y
zeigen, scheinen ihm nicht unwillkommen zu fern. Da mißglückte Sick ^ ? ^ -
den Erzbischof von Trstr (Z 37), und Hütten mußte nach der Schwer flu^ Erasmus
wies ihn in Basel ab, Zwingli nahm ihn in Zürich freundlich auf. I ' . „ .
und der ungestüme Drang seiner Feuerseele stürzten ihn rn ern früh - .V. . , „W.Auz.od.r
36. Jähr seines Lebens auf der Insel Ufnau im Züricher See, wohin er sich auf Anraten, , 5 ,z
Zwinglis begeben hatte, „nichts hinterlassend", wie Zwingli schrieb, „a " o -
Aber diese Feder hatte der kleine, schmächtige, unscheinbare Mann mit denblassen, strengen Gesichtszügen, dem blonden Haar und dunkeln Bar , Mgeführt im Dienste der nationalen Idee; nie ist er zu einem ruhigen ^ebm ge-kommen, weil sein glühender Patriotismus ihn immer wreder zum äbampf g Adie Mächte aufrief, unter deren Druck sein Vaterland seufzte: sem ^aylMmy
war: „Ich hab's gewagt!" Und trotz allem persönlichen UnMck beseelte ryneine freudige Siegeszuversicht, mit der er einst ausrief: ,,O Jahrhundert.
O Wissenschaften! Es ist eine Freude zu leben: die Studien blühen, dre Geisterregen sich!"
Drittes Kapitel.
Die Anfänge der Reformation (bis 1520/23).
H.. Die kirchlichen und religiösen Zustände.
§ 23. Die stets wiederkehrende Notwendigkeit der Reform. Diekirchlichen Zustände. Bei allen großen, aus sittlichen Grundlagen ruhendenEinrichtungen entsteht allmählich ein Widerspruch zwischen Ideeund Wirklichkeit. Wenn Ideen ins Leben treten sollen , müssen stebestimmte Formen annehmen, und diese Formen, die eigentlich nur erneArt Notbehelf sind, überwuchern und erdrücken nur zu leicht die ursprüng-lichen Ideale und werden zur Hauptsache; dann ist ein Verjüngungs-prozeß nötig, durch den das Edelmetall wieder von den Schlacken ge-säubert wird. Wenn irgendwo, gilt das für die Religion. Ihrem eigent-lichsten Wesen nach ruhend auf dem persönlichsten Empfindungsleben desMenschen, bedarf sie bei ihrer Betätigung nach außen bestimmter Formen,zumal diese Betätigung eine Gemeinschaft mit Gleichgestimmten sucht.
Daraus folgt die Notwendigkeit rechtlicher Organisation dieser Gemein-schaft, die Ausstellung von Dogmen über das Wesen des Göttlichen, dieFestlegung von Normen für den Gottesdienst; damit ist ein Zug zurVerwestlichung und Veräußerlichung gegeben. Deshalb sind immer undimmer wieder Reformationen nötig, in denen man sich auf die ur-sprünglichen Ideen besinnt, und zugleich eine den veränderten Ver-hältnissen entsprechende Weiterbildung erfolgt. Solche mehr oderweniger weitgreisende Reformationen hat auch das Mittelalter gesehen;dahin gehört die Tätigkeit des Bonisatius (II, H 65), der Cluniacenser(II, 8 132), der Cistercienser und Prämonstratenser (II, 8 196), derBettelmönche (II, tz 223) u. a. Hatten sich diese im ganzen auf emzekneEinrichtungen (weltlicher Besitz, Mönchtum) bezogen, so erstreckte stcy mo