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Dritter Band.
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H 28. Drittes Kapitel: Die Anfänge der Reformation. 45

Hause Fugger (8 32) ausgenommen hatte; Agenten dieses Hauses begleitetendeshalb die Ablaßprediger und zogen einen Terl des Ertrages em. Mitbesonderer Frivolität trat in Sachsen als Ablaßhändler der DominikanerJohann Tetzel aus Leipzig aus. der die Sündenvergebung in der aller-gröbsten Form zum Geldgeschäft machte, nach seinem doch Wohl authenti-schen Satze: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in denHimmel springt." Da auch Luthers Pfarrkinder zu Tetzel strömtenund ihm dann bei der Beichte die dort erhaltenen Ablaßzettel vorzeigten,fühlte sich Luther, der dadurch die wahre Buße und das Ansehen desBeichtstuhls gefährdet sah. getrieben, am Vorabend vor Allerheiligen gl517 an der Schloßkirche zu Wittenberg 95 Sähe (Theses) anzu-schlagen, mit dem Erbieten, sie gegen sedermann zu verteidigen. Darrnbestritt er die Wirksamkeit des Ablasses ohne Reue und sprach dem Papstedas Recht ab, andern als Bußfertigen die Absolution zu erteilen: der Ablaßkönne nur von Kirchenstrafen befreien, nicht aber die Gnade Gottes er-werben. Er wies zugleich auf den Unterschied hin zwischen falschen Buß-übungen und wahrer Buße. zwischen äußerlichen Glaubensmeinungen undinnerem Glauben, zwischen toter Werkheiligkeit und echten guten Werken.

Es ist behauptet worden, Luther habe in seinen Thesen nicht den Ablast an sich,sondern nur die damit verbundenen Mißbrauche angegriffen. Unzweifelhast ist, daß ihmein Bruch mit der Kirche noch fern lag; er unterscheidet zwischen dem Treiben der Ablaß-händler und der Absicht des Papstes: würde dieser, so meint er, die Forderungen jenerkennen, so würde er lieber die Basilika des heiligen Petrus zu Asche zerfallen lassen, alsdulden, daß sie mit Haut, Fleisch und Knochen seiner Schafe gebaut werde. Mit derForderung, daß der Papst nur die zeitlichen Kirchenstrafen erlassen könne, nicht die desFegefeuers, und daß der Ablaß ohne Rene unwirksam sei, verwirft er den Ablaß an sichnicht, ja er erklärt ausdrücklich, daß der Ablaß fortbestehen solle. Indes geht er doch schonzum Angriff auf das ganze System über, wenn er sagt, daß das ganze Leben derGläubigen Buße (Sinnesänderung) sein solle, daß der reuige Christ durch Gottes Gnadeauch ohne Ablaßbriefe an allen Gütern Christi und der Kirche teilhabe, daß der Priester(auch der Papst) die göttliche Gnade nicht vermittle, sondern nur verkünde, und daß ver-wahre Schatz der Kirche nicht die Verdienste Christi und der Heiligen seien, sondern dasEvangelium von der Gnade Gottes. Luther denkt dabei, wie gesagt, nicht an einenBruch, schreibt auch einen demütigen Brief über seine Thesen an den Erzbischof vonMainz und an den Bischof von Brandenburg, zu dessen Diözese Wittenberg gehörte; aberseine innerste Überzeugung widerspricht doch schon dem kirchlichen System, und das tritt nurdeshalb nicht so schroff hervor, weil er seine eigne, edle Deutung der kirchlichen Ein-richtuugen als die wahre Absicht des Papstes hinstellt. Hier und noch in der nächsten Zeitkämpft eben in Luther seine neue Überzeugung noch mit der Devotion, die er gegen Papstund Kirche empfindet. — Berechnet waren die Thesen zunächst nur für Theologen; siewaren lateinisch abgefaßt, und ihr Anschlag an die Türen der Schloßkirche entspracheinem unter den Gelehrten üblichen Verfahren: es war die Aufforderung zur wissenschaftlichenDisputation über die aufgestellten Sätze.

Die bald auch ins Deutsche übersetzten Thesen wurden schnell in ganzDeutschland bekannt und wirkten viel stärker, als Luther selbst erwartethatte. Man fühlte, daß hier ein Mann von tiefem, religiösem Ernst ge-sprochen habe; und wo man die religiöse Seite der Sache weniger begriff,da empfand man Genugtuung, daß mit dem Angriff gegen die Ablaß-Praxis der finanziellen Ausbeutung des Volks entgegengetreten wurde.Die Auffassung der Humanisten und der ihnen befreundeten kirchlichenHierarchie, als ob es sich nur um einen Mönchsstreit zwischen Domini-kanern und Augustinern handle, zerrann bald. Die 106 Antithesen, dieTetzel im Verein mit Johann Koch (Wimpina), Professor in Frank-furt a. O., verfaßte, und die in sehr grobem Tone gehaltene Schrift des

Thesen.. Okt. 1517

Bedeutungder Thesen

Wirkungder Thesen

Gegner