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Dritter Band.
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8 30. Drittes Kapitel: Die Anfänge der Reformation. 51

Söldnerdienst, dessen entsittlichende Wirkung er dann als Feldprediger inItalien 1512 und 1515 (II, § 334) aus eigener Anschauung kennen lernte,darauf als Pfarrhelfer in dem berühmten Wallfahrtsorte Einfiedeln auchgegen den Mariendienst, der hier seinen Mittelpunkt in einem hochverehrtenwundertätigen Bilde hatte. Als Leutpriester an das Großmünster inZürich berufen, suchte er die Zustände des Staats, der Kirche und desLebens nach Kräften zu bessern. Er eiferte gegen die Jahrgehalte, dieeinflußreiche Familien von fremden Fürsten bezogen, um die Anwerbungvon Söldnern zu fördern, und gegen den Ablaßhandel des FranziskanersSamson. Eifriges Forschen in der Heiligen Schrift führte seinen durchernstes Studium der Alten gestärkten Geist zu Ansichten, die der herr-schenden Kirche entgegen waren. Da ihm aber Luthers religiöser Tiessinneben so fremd war wie dessen Seelenkämpfe, so machte er nicht, wie jener,dre Verbesserung der Lehre und des Glaubens zum nächsten Ziel seinesWirkens, sondern die der Sitte und des Wandels, ein Streben, das seinemPraktischen Sinn und seiner nüchternen Lebensanschauung mehr entsprach.Auch ging er viel durchgreifender zu Werke. Denn während Luther zunächstauf dem Boden der Kirche blieb und nur abstellte, was den Worten derSchrift widersprach, suchte Zwingli die einfachsten Zustände des Christen-tums wiederherzustellen und wollte alles entfernen, was nicht aus der BibelZu erweisen sei. Nach seiner Ansicht ruht die kirchliche Gewalt in der G e -meinde, die ihren Willen durch ihre Vertreter, die bürgerliche Obrigkeit,kundgibt; es entsprach das auch dem demokratischen Charakter der Eid-genossenschaft. Deshalb sollte, als er mit seinem kirchlichen Oberherrn,dem Bischof von Konstanz, in Konflikt geriet, die staatliche Behörde ent-scheiden. Auf dem großenReligionsgespräch zu Zürich, das unterVorsttz des Bürgermeisters stattfand, verteidigte er das in seinen „Schluß-'reden" (Thesen) aufgestellte Reformationsprogramm und nahm dann imEinverständnis mit dem Großen Rat eine vollständige Umwandlung derkirchlichen Lehren und Gebräuche vor, ließ alle Bilder, Kreuze, Kerzen,Altäre und Orgeln aus den Kirchen schaffen und richtete das Abendmahl,w dem er nur ein Zeichen der Erinnerung und Gemeinschaft erkannte,nach Art der urchristlichen Liebesmahle ein, so daß den an langen TafelnWenden Gläubigen Brot und Wein gereicht wurde. All das vollzog sich,der Mitwirkung der weltlichen Obrigkeit, hier viel leichter undfchneller als in Wittenberg; die Kurie aber trat weit rücksichtsvoller auf,wert ste für ihre Kriege die Schweizer Söldner nicht entbehren konnte.

Die Verschiedenheiten der lutherischen und zwinglischen Kirchen-wie sie sich weiter entwickelt haben, ergeben sich aus der Charakterver-illpedenhert der beiden Reformatoren. Luther hatte das Heil der Seele mit den Mitteln-tm' r" gesucht und riß sich, weil er es nicht fand, blutenden Herzens von ihr los;w-i-a" ^ Humanist an die Kirche heran, beseitigte das als falsch Erkannte und

sont - Umgestaltung des Staates. Beide wollen, wie der Theologe Ullmann

been,' ^bristentum des Geistes; aber die deutsche Reformation geht mehr von innenauL»» rechten Glauben zur kirchlichen Institution, die schweizerische mehr von

das v r ^"-^4 der kirchlichen Institution zum rechten Glauben. Bei jener überwiegtLebens ^ llt mehr Glaubensreformation; bei dieser das ethische, sie ist mehr

bildet* Ed Sittenreformation; jene hat daher eine Neigung zum Dogmatischen, diesevrin,v^" Vorliebe die Sittenlehre aus. Luther und die Seinigen wenden das Schrift-yeae,, ^ erst im Verlaufe des Kampfes selbst geführt werden, mit mehr Pietät

stimmt " bestehende an und schreiten allmählich vorwärts. Zwingli geht sogleich viel be-er vom Schriflprinzip aus und macht davon einen viel rücksichtsloseren Gebrauch;

ISIS

1518

Religions-gesprächin ZürichL9. Jan. 1523

Luther undZwingli