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Dritter Band.
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167
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8 103. Neuntes Kapitel: Literatur und Kunst (bis 1555). 167

malerische Schloß Frederiksborg auf Seeland (von Christian IV. 1602—1620), ein Backstein-bau mit Renaissanceformen in Giebeln, Erkern und Portalen, während der Aufbau nochmittelalterlichen Stilcharakter trägt; Schloß Rosenberg bei Kopenhagen (1604); die Kopen-hagener Börse (von Christian IV. 1624—1640), bereits mit barockem Giebelwerk und einemTurm, dessen Spitze sich aus vier ineinandergeschlungenen Drachenschweifen formt.

In Krakau baut 1519—1522 Bartolommeo Berrecci aus Florenz die Sigis-mundskapelle des Domes; Moskau erhält am Ende des 15. Jahrhunderts die Kathedraleder Himmelfahrt Mariä (Aristotele Fioravanti) und die Granowitaja Plata (M. Ruffound P. Antonio).

England bleibt am längsten der Gotik getreu. 11m die Mitte des 16. Jahrhundertsbildet sich eine Mischung aus Gotik und Renaissance, angebahnt von dem königlichen Bau-meister John Shute: der „Elisabethstil", der sich bis 1625 erhält, wenn sich auch inzwischen,seit Anfang des neuen Jahrhunderts, ein Streben nach reineren Formen geltend macht. DieSchloßhöfe des Kontinents werden durch Lichthöfe ersetzt; Longleat House, 1567 von einemitalienischen Baumeister in Renaissancestil erbaut, Bourleigh House, 1577, mit vielenTürmen, Whitehall in London, Wollaton House (1588), Longford Castle (1591), HollandHouse (1607) in Middleessex, Heriothospital in Edinburg, die Kollegiengebäude in Cambridgeund die Universität in Oxford.

8 .Bildhauerei. Die deutsche Plastik des 15. Jahrhunderts entspringtaus der Gotik und hält sich anfangs frei von fremder Einwirkung. Wohl machtsich Mangel an Stilgröße und Befangenheit in Bewegung und Gewandungfühlbar, andrerseits besitzen aber die Gestalten und Gesichter deutlich erkennbareZüge voll Anmut und Gefühlsinnigkeit. Sorgfältiges Naturstudium und Entwick-lung des Individuellen sind auch hier die Wahrzeichen der neuen Strömung. ImBeginn des 16. Jahrhunderts macht sich der Einfluß Italiens geltend; die ge-zwungene Bewegung mindert sich, die knitterigen Gewandfalten weichen hier undda flüssigeren Formen, aber es schwindet auch das kraftvolle individuelle undnaturalistische Gepräge. Neben Bronzen und Skulpturen in Kalk- und Sand-stein kommen auch Holzschnitzereien in Aufnahme.

Hauptsitz der deutschen Plastik war Nürnberg. Hier wirkte der Holzschnitzer undSteinbildhauer Beit Stoß, dessen energische, unruhige Natur sich auch in seinen bewegtenGruppen und Einzelfiguren kundgibt. Werke: Marienaltar in der Frauenkirche in Krakau,Grabmal Kasimirs IV. in der Kathedrale ebenda, Grabplatte deS Zbignew Olesnicki imDom von Gnesen, Rosenkrauztafel im Germanischen Museum, drei Steinreliefs: Abendmahl,Christus am Olberg, Judas Verrat in S. Sebaldus in Nürnberg, Englischer Gruß (vonder Decke herabhängend), 1518, in der Lorenzkirche ebenda, Altar der oberen Pfarrkirche inBamberg (Anbetung der Hirten), Kreuzigung in S. Sebaldus, Pietä u. a. in der Jakobs-kirche, wo sich auch eine andere in edlen Formen gehaltene Beweinung Christi von einemunbekannten Meister findet. Der Steinmetz Adam Krafft bezeichnet den Gipfel der Nürn-berger naturalistischen Kunst, soweit sie von der Renaissance noch nicht berührt wird; seineDarstellungen sind von rührender Innigkeit, Ruhe und Schlichtheit: Die sieben Stationenauf dem Passionswege (Sandsteinreliefs, darunter Christus und die Frauen und dieBeweinung) und die große Kreuzigung auf dem Johanniskirchhof in Nürnberg, dasSchreyersche Grabmal, von malerischer Wirkung, außen am Ostchor der Sebalduskirche,Sakramentshüuschen (mit des Künstlers Bildnis), gotische Turmpyramiden mit Passionsreliefund Statuettengruppen in der Lorenzkirche, Grabdenkmäler, darunter die PergenstörfferscheGedüchtnistafel, in der Frauen- und Ägidicnkirche. Der Erzgießer Peter Bischer ringtsich von dem altertümlichen Stil zu freier Auffassung und vollendeter Darstellung hindurchund führt die deutsche Plastik unter der Einwirkung der italienischen Kunst über die Schwelleder Hochrenaissance: Grabmal des Erzbischofs Ernst von Sachsen im Dom von Magdeburg,Sebaldusgrab (mit Selbstbildnis) im Ostchor (1508—1519) der Sebalduskirche in Nürnberg;König Theodorich und König Artus für das Grabmal Kaiser Maximilians in Innsbruck;Grabmäler in der Stadtkirche in Baden-Baden (Markgraf Friedrich und Markgräfin Ottilie),«u Regensburger Dom (Margarete Tucherin, Begegnung Christi mit dem kananäischenWeibe), in der Schloßkirche in Wittenberg (Krönung Mariä, für Henning Godeus), imKrakauer Dom (Kardinal Friedrich von Polen vor der Madonna), Selbstbildnis (Büste) im^ouvre (Werkstattarbeit). Von seinen Söhnen erweist sich PeterVischer d. j. als daS größereTalent: Grabmal Friedrichs des Weisen in der Schloßkirche in Wittenberg, des KardinalsAlbrecht von Mainz in der Stiftskirche in Aschaffenburg, Plakette Orpheus und Eurydike

Polen undRußlano

England

Deutsch-

land

V. Stoß1438-1533

A. KrafftUM 1450—1509

P. Bischerd. ä.UM 1455—1529

P. Bischerd. j.

1487-1528